Notfälle, Brände und Unfälle gehören in der Rettungsleitstelle an 365 Tagen zum Alltagsgeschäft

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„Hat er offensichtliche Verletzungen? Blutet er stark?“, die Stimme der Rettungsleitstellen-Mitarbeiterin bleibt ruhig und freundlich, während sie zusammen mit ihrem Anrufer alle wichtigen Fragen klärt, bis dann die erlösenden Worte gesprochen werden: „Ich schicke Ihnen einen Rettungswagen vorbei.“
Menschen, die in der Zentralen Leitstelle des Main-Kinzig-Kreises anrufen, haben in aller Regel einen mehr oder weniger schweren Notfall. Sie rufen für sich selbst oder für andere an und sind häufig sehr aufgewühlt und durcheinander. Da ist es wichtig, dass die Männer und Frauen, die am anderen Ende der Telefonleitung sitzen, Ruhe bewahren und diese auch ausstrahlen. Notfälle, Unfälle und Brände sind Ausnahmesituationen – für das Team der Rettungsleitstelle ist das Alltag. Dennoch gibt es auch dort immer wieder Fälle, die unter die Haut gehen, die noch lange in der Erinnerung bleiben.
Landrat Thorsten Stolz nutzte seinen jährlichen Besuch zum Jahresende in der Leitstelle, um dort mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über das Erlebte zu sprechen und ihnen den Dank der Kreisspitze auszusprechen. „Die Arbeit, die hier tagtäglich rund um die Uhr geleistet wird, ist aus vielerlei Gründen anspruchsvoll und emotional anstrengend und verdient besondere Anerkennung“, sagte der Landrat im Gespräch mit Michael Trapp, stellvertretendem Leiter der Rettungsleitstelle des Main-Kinzig-Kreises und Dr. Manuel Wilhelm, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes. Als Zeichen des Dankes hatte der Landrat dem Leitstellen-Team süße Nervennahrung mitgebracht und bedankte sich insbesondere bei jenen Frauen und Männern, die an den Weihnachtsfeiertagen und über Silvester und Neujahr ihren Dienst verrichten.
Wie Michael Trapp erläuterte, kamen in den zurückliegenden zwölf Monaten 78 923 Rettungsdiensteinsätze (2020: 74 884) zusammen und 4 785 Feuerwehreinsätze (2020: 4 110). 1723 Alarmierungen erfolgten wegen eines Brandes (2020: 1 909), bei 3 062 Einsätzen handelte es sich um sogenannte Hilfeleistungseinsätze (2020: 2 201). „Die Belastung ist durch die Corona-Pandemie gestiegen, denn alle Rettungsdienstfahrzeuge müssen nach einer Fahrt mit einem an Corona erkrankten Menschen aufwändiger gereinigt und desinfiziert werden, was insgesamt mehr Zeit in Anspruch nimmt, bis ein Fahrzeug wieder einsatzfähig ist“, erläuterte Michael Trapp dem Landrat. Wegen der starken Auslastung der Krankenhäuser ist es eine zunehmende Herausforderung, die Verteilung der Notfälle auf die verbleibenden freien Krankenhausbetten zu koordinieren.
Um einen Überblick über die Lage im Kreis zu haben, ist jeder Leitstellen-Arbeitsplatz mit neun Monitoren ausgestattet, ebenso mit Telefon und Funk. Seit November verfügt die Leitstelle über neun dieser mit moderner Technik ausgestatteten Arbeitsplätze, bislang waren es fünf.
Ein besonders arbeitsreicher Dienst ist normalerweise jener in der Silvesternacht. Allerdings gab es hier im vergangenen Jahr einen deutlich spürbaren Rückgang bei der Zahl der Einsätze, was Michael Trapp und Dr. Manuel Wilhelm auf das im vergangenen Jahr für Silvester erlassene Böllerverbot zurückführen. Die Statistik spricht hier eine deutliche Sprache: 2020/2021 gab es über Silvester und Neujahr einschließlich der Stadt Hanau 65 Rettungsdiensteinsätze und vier Feuerwehralarmierungen (3 Brände, ein Hilfeleistungseinsatz). Ein Jahr zuvor gab es für 2019/2020 deutlich mehr zu tun: 78 Rettungsdiensteinsätze sowie 29 Feuerwehreinsätze (26 Brände, 3 Hilfeleistungseinsätze).
„Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Rettungsleitstelle des Main-Kinzig-Kreises leisten das ganze Jahr über eine hervorragende Arbeit, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit und auch an Tagen, an denen andere frei haben und Zeit mit Familie und Freunden verbringen. Dafür möchte ich meinen herzlichen Dank aussprechen. Sie stehen auch stellvertretend für alle anderen Menschen im Main-Kinzig-Kreis, die im Bereich Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei sowie Hilfs- und Rettungsorganisationen für die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger sorgen“, erklärte Thorsten Stolz.