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Der Verein für Tourismus und Wirtschaftsförderung (VTW) veranstaltete seinen zweiten Unternehmerabend im Historischen Konzertsaal der Spessart Therme.
Der VTW, in den Einzelhändler, Handwerksbetriebe, Beherbergungsbetriebe, Dienstleister und große Familienunternehmen eingebunden seien, verstehe sich als Verein, der die Mitglieder beider Kernstädte gleichermaßen vertrete. Erfreulich sei der Mitgliederzuwachs, betonte VTW-Vorsitzender Dieter Holk in seinen Begrüßungsworten.
Veränderungen in der Arbeitswelt wirkten sich auf die Stadtentwicklung aus, sagte Bürgermeister Dominik Brasch. Bad Soden-Salmünster, als familienfreundliche Stadt, reagiere mit der Schaffung neuen Wohnraumes und der Bereitstellung weiterer Kinderbetreuungsplätze. Eine Herausforderung bleibe der Glasfaserausbau, ein Pilotvorhaben des Main-Kinzig-Kreises.
Das Thema Digitalisierung stand im Fokus des Abends. Als Gastredner sprach Holger Göbel, Geschäftsführer der Firma Maxworx, über „Künstliche Intelligenz und ihre Auswirkungen auf unser Leben“.
Unbekannte Daten analysieren
1999 in der Kurstadt gegründet, beschäftige das IT-Service Unternehmen derzeit 50 Mitarbeiter und betreue etwa 10 000 Anwender, stellte Holger Göbel seine Firma kurz vor. Aufmerksam verfolgten die Anwesenden die Ausführungen des Referenten über Funktion, Anwendungen und Grenzen künstlicher Intelligenz.
Künstliche Intelligenz, als Teilgebiet der Informatik, will unsere menschliche Intelligenz nachbilden. Der Referent erläuterte die Begriffe „maschinelles Lernen“ und „Deep Learning“, also „Tiefes Lernen“, wobei sich Maschinen eigenständig trainieren.
Mithilfe des maschinellen Lernens könnten IT-Systeme auf Grundlage vorhandener Daten und Algorithmen Muster und Gesetzmäßigkeiten erkennen und Lösungen entwickeln. Das künstliche Wissen entspringe also aus Erfahrungen. Die aus den Daten gewonnenen Erkenntnisse ließen sich verallgemeinern und für neue Problemlösungen oder für Analysen von bisher unbekannten Daten verwenden.
„Deep Learning“ nutze für die Verarbeitung von Datensätzen künstliche neuronale Netze, die aus mehreren Eingabe-, Ausgabe- und Zwischenschichten eine innere Struktur bildeten. Im Gegensatz zum maschinellen Lernen, würden hier zum einen sehr große Datensätze benötigt, zum anderen „lerne“ der Computer quasi selbstständig durch seine eigene Datenverarbeitung.
Die Anwendung Künstlicher Intelligenz (KI) ermögliche schnellere Entscheidungen, höhere Effizienz, sie diene der Beseitigung menschlicher Fehler, sie reduziere Kosten und spare Arbeitskräfte.
Als Einsatzbereiche der KI nannte der Referent intelligentes Datenmanagement, Roboter, lernfähige Software, Sprachbearbeitung, intelligente Lager-, Mess-, und Haustechnik, Steuerungsprogramme und autonomes Fahren. Letztgenanntes wird derzeit in Bad Soden mit dem Betrieb des easy-Busses, der im Stadtgebiet seine Touren fährt, anschaulich praktiziert.
Nach Expertenmeinung biete die KI Vorteile durch Optimierung der Logistik, effiziente Preisgestaltung, zielgerichtete Werbung, Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und erhöhte Flexibilität. Ihr Einsatz könne durch vorzeitiges Erkennen von Fehlerquellen, etwa an maschinellen Abläufen, für vorbeugende Wartung sorgen und somit Ausfallzeiten verhindern oder reduzieren.
Empathisches Verhalten fehlt
Allerdings stoße der Einsatz Künstlicher Intelligenz auch auf Widerstände. Dazu gehöre die Bedrohung qualifizierter Arbeitsplätze und Managementpositionen. Das Fehlen von empathischem Verhalten und moralischer Orientierung sowie die Frage der Regulierung seien weitere Kritikpunkte.
Hinsichtlich der Nutzung von KI in Unternehmen, nannte Holger Göbel den Mangel an Fachkräften, somit fehlendes Know-How, mangelnde Datenbasis, Sicherheitsbedenken bezüglich der Daten, unzureichende digitale Infrastruktur und eben auch mangelnde Akzeptanz der KI-gesteuerten Entscheidungsfindungen.
Er appelliert an die Unternehmen, die Standardservices zu nutzen, individuelle Lösungen für die eigenen Anforderungen zu entwickeln und mit Netzwerkern zusammenzuarbeiten. Es sei unbedingt sicher zu stellen, dass die Daten und das Know-How geschützt blieben. Nur wenn diese Voraussetzungen erfüllt seien, könne das Potenzial voll ausgeschöpft werden.
Im Anschluss erläuterte Walter Rodumer von der city-map Agentur des Main-Kinzig-Kreises die Möglichkeit einer Livestream-Übertragung der Gewerbeschau, wodurch die Reichweite der Veranstaltung vervielfacht werden könne, erklärte er.