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Schauspieler und Puppenspieler Detlef Heinichen, Prinzipal des Theatriums in Steinau, führt am Samstag, 11., und am Sonntag, 12. September, jeweils mit seinen ganz persönlichen Assoziationen durch die Skulpturenausstellung des 9. LandArt-Festivals in Hutten-Heiligenborn. Treffpunkt ist an beiden Tagen um 15 Uhr am Bergrestaurant.
An einem vergangenen Wochenende hatten die jungen Tänzerinnen der Tanzkompanie Artodance dargestellt, wie sie die Skulpturenausstellung mit Musik in Szene setzen. Die Spezialität des Kulturwerks Bergwinkel, nämlich Kommunikation zwischen verschiedenen Künsten und die Schaffung von Genre übergreifenden Verbindungen, nimmt damit erneut Gestalt an.
Choreografin Monica Opsahl ließ zu den getanzten Führungen die Musik von René Aubrys Album „In Between“ erklingen. Die jungen Artodance-Tänzerinnen Meline Gottwald, Miriam Kreß, Julie Opsahl, Maren Opsahl und Karlotta Kohlhepp überraschten ihre Zuschauer im Wald zwischen großen mit Moos überwachsenen Basaltbrocken – skulptural aufgestellt rund um Jens Grundstocks goldene Stangenkonstruktion, deren Stäbe glänzend nach oben in den Himmel streben. So setzten sie das Kunstwerk in Szene, machten Gefühle von Harmonie im Widerstreit mit Unfreiheit sichtbar.
Lars Kempels „Schwester“, die lange in seinem Atelier mit dem Künstler Zwiesprache gehalten hatte, blickt ohne Kopf hoch aus einer Baumkrone auf die Besucher hinab. Für den Künstler, der persönlich während der Führung anwesend war, öffnet sie eine Pforte zum Unbewussten im Menschen. Karlotta Kohlhepp tanzte zu Füßen der „Schwester“ im Solo.
An Nicole Jänes Strumpfhosen-Installation berichtete Monica Opsahl von ihren Assoziationen zum Material der Künstlerin aus Hanau. „Einerseits machen Strumpfhosen eine Frau zur Frau, andererseits begrenzen sie zugleich!“ Der Weg führt mitten durch die Strumpfhosen-Installation, die mit Steinen beschwert ist und kann dadurch für den Besucher unangenehm werden. Monica Opsahl denkt derzeit an Afghanistan und einen getanzten Guerilla-Einsatz.
Zur Melodie „Prima Donna“ tanzte Karlotta Kohlhepp entlang der Zeitspur des LandArt-Kinderprojekts in griechischem Takt. Während etliche der Künstler, die bei der Kunst in der Natur in Hutten vertreten sind, sich in diesem Jahr nach einer Abholzaktion fragten: „Was haben die mit unserem Wald gemacht?“, erlebt Monica Opsahl an dieser Stelle eine richtige Waldbühne mit magischem Hintergrund. Hier hat Gerwin von Monkiewitsch den ersten Steinway am Steinweg installiert und Jens Grundstock Adern in den Felsen mit goldener Farbe hervorgehoben.
In sonnengelben Kostümen tanzten die Artodance-Tänzerinnen hier zur Melodie „Who Lights the Sun?“ und das deutliche Tick-Tack des Taktes machte klar, das der Sommer bald vorüber sein wird.
Mit einem lauten Schrei öffnete Monica Opsahl den Blick auf die Vogelscheuchen des Jahrgangs 10 der Henry-Harnischfeger-Schule, die mit der Künstlerin Anne von Monkiewitsch entstanden sind. Sie thematisieren all das, was die Schüler aus ihrem Leben verscheuchen wollen. Die Tänzerinnen machten dies grandios zur Musik von „Sous les bombes“ deutlich.
Kindheitserinnerungen werden bei Klaus Kleines Raum schaffender Punkte-Installation wach. Hier gewinnt der Tanz zu „The Gruffalo“ wieder fröhlich Fahrt bis zur Spiegelskulptur von Gerwin von Monkiewitsch, die in diesem Jahre gleich einem Blitz hoch oben im Baum hängt, wo Maren Opsahl zu „The Forest“ einen verspiegelten Traum tanzte, bevor es im Rumba-Rhythmus und dem Titel „I feel good“ auf den Rückweg ging.
Während der gesamten Tanzführung durch die Skulpturenausstellung galt es für die Tänzerinnen im unebenen Gelände einen sicheren Stand zu finden. Monica Opsahl beschrieb das so: „Tanzen in der Natur ist abenteuerlich. Man muss seinen eigenen Stein finden, obwohl es gilt, über viele Steine zu tanzen.“
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