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„Unsere Kita ist geschlossen. Können wir bei Dir spielen?“, fragen Hänsel und Gretel die Hexe im gleichnamigen Märchen.
Die sechs Corona-Comics des 68-jährigen Zeichners Klaus Puth sind echte Hingucker der Ausstellung „Dann leben sie noch heute“, die am vergangenen Sonntag im Brüder-Grimm-Haus in Steinau eröffnet wurde.
Seit 2006 präsentiert sich die Frankfurter Künstlergesellschaft (FKG) alljährlich mit Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Grafik, Fotografie und Bildhauerei in Steinau. Und das mit einer beträchtlichen Vielfalt, die sich vom Realismus, über den Naturalismus bis hin zur Abstraktion erstreckt. Auf eine Vernissage verzichteten die Veranstalter coronabedingt.
Bei der Begrüßung lobte Museumsleiter Burkhard Kling, dass die Ausstellungen der FKG von Jahr zu Jahr besser würden und neue Techniken und Ideen die Betrachter ansprächen. Claus Delvaux, Vorsitzender der Frankfurter Künstlergesellschaft, betonte, dass die Künstler jedes Jahr neugierig und gespannt sind, wie die Ausstellung angenommen werde. „Denn eine Vorstellung davon bekommen wir immer erst, wenn wir alle Arbeiten ausgepackt haben, sie im Raum betrachten, mit anderen gruppieren und dabei Verwandtschaften bestärken oder durch Gegensätze Spannungsbögen erzeugen. Erst dann entsteht ein Gesamtbild.“
Den Titel habe die Künstlergesellschaft als Reaktion auf die Coronakrise gewählt, in der unter vielen anderen Bereichen der Kunst- und Kulturbetrieb einschneidende Einschränkungen hinnehmen musste. „Doch das künstlerische Schaffen der Mitglieder wurde dadurch nicht ausgebremst“, betonte Delvaux. Gerade die Verschiedenheit der Arbeit der 16 Künstler, die sich im Brüder-Grimm-Haus präsentierten, schaffe eine spannende Schau, in der für den Betrachter vielleicht manch eine Überraschung enthalten sein könne.
Wie bei Matthias Kraus‘ „Mein Nowinka-Wald“, einer farbigen Tuschezeichung auf Papier, oder Yuriy Ivashkevichs „Erschaffung einer Wirklichkeit in Öl auf Papier. „Das Werk ist halb realistisch und halb abstrakt. Bei bestimmten Lichtverhältnissen kann der Betrachter märchenhafte Figuren erkennen“, erklärte der 56-jährige Kunstmaler und -pädagoge. Ivashkevich ist seit 20 Jahren ein Verfechter der Spachteltechnik. Hierdurch entstehe ein Spontaneität, die die Bilder frisch aussehen lasse, erklärte er.
Zurück zum Karikaturisten Klaus Puth, der lange zögerte und mit dem Thema Corona zunächst nicht warm geworden war. „Meine Vorliebe für Grimmsche Märchen hat mich aber dann animiert, mich dem Thema „Dann leben sie noch heute“ mit verstecktem Witz anzunähern. Ein ganzes Märchenbuch zu Corona wäre durchaus reizvoll.“
Es stellen aus: Heidi Böttcher-Polack, Claus Delvaux, Barbara Dickenberger, Joerg Eyfferth, Inge Helsper-Christiansen, Yuriy Ivashkevich, Norbert Komorowski, Martin Konietschke, Matthias Kraus, Uli Mai, Klaus Puth, Mojgan Razzaghi, INK Sonntag-Ramirez Ponce, Clemens M. Strugalla, Nicolas Vassiliev und Andreas Wald.
Die Ausstellung ist im Steinauer Brüder-Grimm-Haus bis zum 11. Oktober täglich zwischen 10 und 17 Uhr zu sehen.