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Kollektives Aufatmen nach sechs Wochen coronabedingter Schließung: Die Friseure und Kosmetikstudios in der Region haben seit eineinhalb Wochen wieder geöffnet. Der Ansturm auf die Termine ist ungebrochen, die Liste der neuen Vorschriften und Auflagen lang.
Seit dem 4. Mai steht die Tür des Salons „Haarkonzept“ in der Schlüchterner Obertorstraße für Kunden offen. Inhaberin Daniela Wechselberger freut sich, endlich wieder arbeiten zu können, die Nachfrage nach Terminen ist groß. In den Tagen vor der Wiedereröffnung haben Wechselberger und ihr kleines Team den Laden vorbereitet, alles gereinigt und desinfiziert, eine Schutzscheibe an der Kasse montiert, eine Händedesinfektionsstation am Eingang aufgestellt, Mundschutzmasken besorgt, Abstandsmarkierungen geklebt.
Von den insgesamt fünf Arbeitsplätzen sind momentan nur zwei in Benutzung, der Wartebereich ist gesperrt – anders könnten die strengen Auflagen nicht erfüllt werden. Einschränkungen gibt es auch bei den Serviceleistungen, auf ein Glas Wasser und eine Tasse Kaffee müssen Kunden erst einmal verzichten, ebenso auf Zeitschriften. Die Preise hat sie aufgrund der enormen Ausgaben im Vorfeld ein wenig erhöhen müssen. „Wir hoffen da auf das Verständnis der Kunden“, so die Friseurmeisterin.
„Es ist super angelaufen“, freut sich auch Nicole Scheuermann-Najmi, Chefin des Friseursalons „K1“ in der Krämerstraße in Schlüchtern. Die erste Woche habe sie teils nonstop am Telefon verbracht, erzählt sie lachend und mit ein wenig heiserer Stimme. „Der Ansturm war Wahnsinn, der Mai ist fast komplett dicht, der Juni ebenfalls schon zur Hälfte. Anrufen lohnt sich aber trotzdem: Denn wir finden oft noch eine Lücke“, so Scheuermann-Najmi. Ihre drei Kolleginnen arbeiten zeitversetzt in Schichten, von den eigentlich sechs Bedienplätzen sind lediglich drei und ein Ausweichplatz „in Betrieb“.
Die Öffnungszeiten hat sie erweitert: Der Tag startet nun bereits um 8 Uhr und endet nicht selten erst gegen 19, 20 Uhr, auch am Montag- und Mittwochmittag ist das „K1“ neuerdings geöffnet. Ohne ihr „tolles Team und den tollen Zusammenhalt“ sei dies nicht möglich, betont sie. Froh und dankbar ist sie darüber, dass alle Kunden die Treue hielten – „das ist ebenfalls nicht selbstverständlich“. Auch mit der Maskenpflicht klappe es bestens: „Bisher mussten wir keinen Mundschutz an Kunden ausgeben, sie hatten alle einen dabei.“
„Zeitnah Termine zu bekommen, ist momentan schwierig“, sagt auch Anja Seifert-Weitzel, Inhaberin des Friseursalons Weitzel in der Steinauer Brüder-Grimm-Straße. „Aber wir versuchen alles, um unseren Kunden gerecht zu werden.“ Trotz strenger Auflagen und Vorschriften bezüglich Abstand und Hygiene klappe alles reibungslos. Statt an allen neun Stühlen wird derzeit nur noch an höchstens fünf gearbeitet. „Die Kunden zeigen großes Verständnis und verhalten sich vorbildlich“, lautet ihr Fazit nach den ersten eineinhalb Wochen. Voll des Lobes ist sie ebenfalls für ihre fünf Angestellten, die „sehr motiviert und flexibel“ seien, schon bei der Planung und Vorbereitung an einem Strang gezogen hätten und nun auch die verlängerten Öffnungszeiten mittrügen. „Das Arbeiten mit Maske ist viel anstrengender“, berichtet Seifert-Weitzel über die erhebliche körperliche Belastung. Man bekomme nicht genügend Sauerstoff, das Sprechen falle schwer. „Abends haben wir fast alle Kopfschmerzen.“ Trotz der erschwerten Situation herrsche aber stets gute Stimmung im Laden.
Auf knapp drei Wochen im Voraus ausgebucht ist der Friseursalon von Klaus Dieter Rüffer in der Richard-Wagner-Straße in Steinau. Auch Rüffer und seine vier Mitarbeiterinnen verzichteten auf die üblichen Ruhetage montags und dienstags und legten gleich am 4. Mai wieder los. Haare geschnitten und verschönert werde nun zeitversetzt in Schichten – an maximal zwei bis drei der insgesamt sechs Bedienplätze. „Statt der vorgeschriebenen 1,50 Meter Abstand haben wir sogar zwei Meter“, erläutert der Inhaber des Traditionsbetriebs mit fast 70-jähriger Geschichte und zahlreichen Stammkunden.
Vor der Wiedereröffnung absolvierte das Team eine interne Hygiene- und Desinfektionsschulung, der Salon erhielt eine sogenannte „Gefährdungsbeurteilung“. „Es ist ein wenig wie im Hochsicherheitstrakt – alles muss akribisch dokumentiert werden“, so der Friseurmeister. Durch die Anschaffung von Einwegumhängen und -handschuhen, Mund-Nasen-Schutz und Desinfektionsmittel habe sich der Kostenaufwand erhöht, daher berechne er für die Damen einen kleinen Corona-Zuschlag. Für die Herren, die in der Regel Trockenhaarschnitte bevorzugten, wird es ebenfalls etwas teurer, denn eine Haarwäsche ist nun zwingend vorgeschrieben.
Friseurmeisterin Karin Schubert aus Elm war auch schon vor der Corona-Pandemie ausschließlich auf Voranmeldung tätig – sowohl in ihrem kleinen Betrieb in der Brandensteiner Straße in Elm als auch mobil bei ihren Kunden zu Hause. In den vergangenen Tagen hatte sie alle Hände voll zu tun – unter anderem damit, die wegen der Krise verschobenen Termine wieder „in Reih und Glied zu bringen“ und neue Anfragen entgegenzunehmen. „Neben meinen Stammkunden haben sich zusätzlich auch Leute bei mir gemeldet, die woanders keine Termine mehr bekommen haben“, berichtet sie.
Durch die strengen Vorgaben hat sich allerdings kaum etwas an ihrer Arbeitsweise geändert: „Hygiene war und ist für mich schon immer das A und O. Nur der Mundschutz ist neu.“ Schubert, die keine Angestellten hat, arbeitet von Montag bis Samstag und kann sich ihre Zeit frei einteilen. Zwar verfügt sie in ihrem Salon über vier Bedienplätze, empfängt dort aber jetzt Kunden nur noch einzeln.
Über einen vollen Terminkalender freut sich auch Rahel Schäfer, Inhaberin des Kosmetikstübchen „Hautnah“ in der Brüder-Grimm-Straße in Steinau. „Der Andrang ist sehr groß. Wir haben eine Warteliste, falls jemand seinen Termin nicht einhalten kann, rückt sofort jemand nach.“ Es gebe aber auch Kunden, die zur Risikogruppe zählten und denen eine Gesichtsbehandlung zum jetzigen Zeitpunkt noch zu heikel sei. Diese warteten noch etwas ab, weiß Schäfer, die durch eine weitere Mitarbeiterin im Verkauf unterstützt wird und auf der Suche nach einer geeigneten Kollegin für den Behandlungsbereich ist.
Vor der Wiedereröffnung gab es viel zu organisieren. So wurden unter anderem Plexiglasabtrennungen für den Kassenbereich und den Maniküreplatz angebracht, Desinfektionsmittel für Hände und Flächen bereitgestellt, die Handtücher im Sanitärbereich durch Kleenextücher ausgetauscht, die Hygienevorschriften an der Eingangstür ausgehängt sowie Hinweisschilder angebracht, dass Tester und Düfte nur durch das Personal aufgetragen werden dürfen. Maximal zwei Personen sind im Verkaufsraum erlaubt, Begleitpersonen müssen draußen bleiben. Wer keinen Mund-Nasen-Schutz dabei hat, kann bei ihr einen für 1,80 Euro erwerben. „Es wird noch etwas Zeit dauern, bis sich alles wieder eingespielt hat“, so Schäfers Einschätzung.