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Mit Glockengeläut und – in diesem Jahr lediglich zwei – Böllerschüssen hat die Stadt Steinau ihren 734. Katharinenmarkt eröffnet. Erster Höhepunkt war ein Lampionumzug der Kinder durch die Stadt, den der Fanfarenzug Barbarossa Gelnhausen, die Katharinenmarktmeister und eine große Abordnung der Schlüchterner Kalte-Markt-Präsidenten begleiteten.
Der Katharinenmarkt ist wieder der alte. „Zumindest was das durchwachsene Wetter und den Donnerstag betrifft“, sagte Bürgermeister Christian Zimmermann bei der Eröffnung. Er würdigte die neue Katharinenmarktmeisterin Sabine Broj als „eine gute Seele für unsere Stadt“. Neben ihrer vorbildlichen journalistischen Arbeit im Bergwinkel Wochen-Boten engagiere sie sich als ein ganz besonderer Mensch für die Gesellschaft. Sie habe mit weiteren Mitstreitern den Verein „Steinau Miteinander“ zu neuem Leben erweckt und unterstütze Geflüchtete in Steinau. „Die Brüder-Grimm-Stadt liegt ihr am Herzen.“
Sabine Broj berichtete ein wenig über den Berufsstand der Journalisten und betonte, dass es ihr eine große Ehre und Freude sei, „heute Abend hier zu stehen vor dieser einzigartigen Kulisse von Rathaus, Katharinenkirche und Renaissanceschloss“.
Die Verwendung der jeweils neuesten Technologien kennzeichne die mehr als 2000 Jahre alte Geschichte des Journalismus. Meilensteine seien die Erfindung des Buchdrucks in der Renaissance, die Erfindungen des Hörfunks um 1920 und des Fernsehens. „Als ich vor mehr als 30 Jahren als Journalistin begonnen habe, sah Zeitungsarbeit noch völlig anders aus als heute: Fotos wurden analog und mit Bedacht geschossen und mussten erst einmal entwickelt werden. Viele Zeitungsjournalisten hatten sich Zuhause eine Dunkelkammer eingerichtet, andere brachten den Film zum Entwickeln in ein Fotolabor. Erst nachdem die Negative fertig waren, konnte man sehen, ob die Fotos gelungen waren oder aber ein Artikel mit – naja, sagen wir mal – eher suboptimalen Bildern auskommen musste.”
Eine Bilderflut, wie sie heute bei einem Zeitungstermin entstehe, sei damals undenkbar gewesen. Da habe oft der 36-Bilder-Film für alle Wochenend-Termine reichen müssen und man habe sich vorher schon genau überlegt, wie viele Bilder bei dem jeweiligen Termin geknipst werden konnten. Mit der rasanten technischen Entwicklung seien die Abläufe digitalisiert und die Aufgaben komplexer geworden.
„Da wo früher Texterfasser, Korrektoren und Schriftsetzer an der Produktion der Zeitung beteiligt waren, gibt es heute nur noch den Journalisten. Bilder und Artikel, die per Mail in die Redaktion flattern, werden in Redaktionssysteme übertragen.”
Damals wie heute gelte: Ein Journalist sollte Freude am Umgang mit Sprache haben und sich bewusst sein, was Sprache bewirken könne. Er sollte Freude am Schreiben und Formulieren haben, neugierig sein und gerne mit Menschen umgehen. Die Pressefreiheit, die nicht überall auf der Welt selbstverständlich sei, gelte es zu verteidigen, wies die Katharinenmarktmeisterin auf denArtikel 5 des Grundgesetzes hin.
Ihre Verbundenheit zum Steinauer Heimatfest brachte sie mit diesen Worten zum Ausdruck: „Der Katharinenmarkt wurde mir zwar nicht in die Wiege gelegt, aber mein Elternhaus steht in der Brüder-Grimm-Straße und ich bin mitten im Marktgeschehen aufgewachsen. Das nennt man wohl frühkindliche Prägung.”
Nachdem die Katharinenmarktmeister ihr „Kathreimoats-Lied“ angestimmt hatten, ging es ins Festzelt an der Mauerwiese zum Bieranstich, den Bürgermeister Christian Zimmermann mit nur einem Schlag mit Bravour meisterte.
Über vier Tage lockte der Katharinenmarkt mit einem bunten Programm, Marktständen in der Brüder-Grimm-Straße, Musikveranstaltungen im Festzelt für jung und alt und mit einem großen Mittelaltermarkt. Bei Zaubervorführungen und Schwertkämpfe, Feuershow und mittelalterlichen Tänzen waren viele Familien anzutreffen.
Zweifellos ein Glanzlicht im Marktprogramm war die Premiere des Films „Steinauer Geschichten, Teil 2“ von Fotografenmeister Koni Merz, den dieser im vollbesetzten Theatrium zeigte. Wie sie als Vertriebene und Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg in Steinau eine neue Heimat fanden, davon erzählten stadtbekannte Männer und Frauen.
Marktmeister Christoph Biegl zog nach dem ersten viertägigen Katharinenmarkt ein positives Fazit. Die Betreiber der Fahrgeschäfte und die Händler seien zufrieden gewesen. Künftig werde der Mittelaltermarkt im Hirschgraben, auf dem Kumpen und im Schlosshof ein fester Bestandteil des Katharinenmarktes sein. CS