Mit „Goliath“ soll umweltfreundlich erzeugte Energie komplett gespeichert werden

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Könnte die Pilotanlage des Energiespeichersystems „Goliath“ auf einer Fläche im Main-Kinzig-Kreis entstehen? Diese Möglichkeit erörterten Landrat Thorsten Stolz, Kreisbeigeordneter und Wirtschaftsdezernent Winfried Ottmann sowie die beiden Goliath-Erfinder Robin Krack und Udo Gärtner bei einem Treffen im Main-Kinzig-Forum in Gelnhausen.
Die beiden Sinntaler haben ein System geschaffen, das Energie in großen Mengen speichern kann und dabei unabhängig von topografischen Gegebenheiten ist. Die Finanzierung ist gesichert, nun muss noch eine geeignete Fläche gefunden werden. „Überall fehlen Speichersysteme, doch genau mit diesen könnten wir das Potenzial der bereits installierten Erneuerbaren Energien viel effizienter nutzen“, erläuterte Udo Gärtner im Gespräch mit Thorsten Stolz und Winfried Ottmann.
Der Landrat machte deutlich, mit welch großem Interesse die Kreisspitze die Entwicklung Goliaths verfolgt. „Der Main-Kinzig-Kreis arbeitet schon seit vielen Jahren kontinuierlich am Ausbau der Erneuerbaren Energien. Die Frage, wie die umweltfreundlich erzeugte Energie bestmöglich gespeichert werden kann, um Ressourcen zu schonen, ist ein wichtiger Baustein bei der Energiewende. Wir sind den Goliath-Schöpfern deshalb gern bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück hier im Main-Kinzig-Kreis behilflich“, sagte Thorsten Stolz. Wie Gärtner und Krack erklärten, haben sich Investoren gefunden, die eine Goliath-Pilotanlage finanzieren möchten. Gerne möchten Krack und Gärtner diese in der Heimat errichten. „Wir freuen uns, wenn der Main-Kinzig-Kreis uns bei diesem Vorhaben unterstützen würde“, sagte Robin Krack bei der Präsentation.
Winfried Ottmann lobte den Erfindergeist der beiden Sinntaler. „Robin Krack und Udo Gärtner engagieren sich in einem Bereich, der die Energiewende entscheidend vorantreiben könnte. Wir helfen gerne dabei, dass Goliath seine ersten Schritte in seiner Heimatregion gehen kann“, sagte Winfried Ottmann.
„Goliath“ basiert wie 99 Prozent der weltweiten Stromspeicher auf dem Prinzip eines Pumpspeicherkraftwerks und hat nach Angaben seiner Erfinder einen Wirkungsgrad von 75 bis 80 Prozent. Goliath ist dabei allerdings – im Gegensatz zu sämtlichen anderen Pumpspeicherkraftwerken – nicht auf topografische Gegebenheiten angewiesen. Wie Krack und Gärtner ausführten, funktioniert Goliath wie folgt: Zu speichernder Strom wird durch eine Pumpe in die potenzielle Energie des Wassers umgewandelt. Dabei wird Wasser in die Höhe befördert und von oben in einen Zylinder gepumpt.
Der hydraulische Druck des Wassers zusammen mit dessen Gewichtskraft drückt den Kolben im Zylinder entgegen seiner Auftriebskraft in das untere Wasserreservoir. „Hierbei halten sich die Gewichtskraft des Wassers und die Auftriebskraft des Kolbens zu jedem Zeitpunkt die Waage, sodass jeder Ladezustand von 0 bis 100 Prozent erzielt werden kann. Dieser Speicherzustand kann durch das Gleichgewicht so lange beibehalten werden, bis wieder Bedarf an der eingespeicherten Energie besteht“, erklärte Robin Krack. In diesem Fall werde die Energie mithilfe der Turbine bedarfsgerecht in Strom umgewandelt. Dazu wird der Zugang zur Turbine freigegeben. Das in die Tiefe rauschende Wasser gibt seine Energie an der Turbine wieder in Form von Strom ab. Durch das entweichende Wasser reduziert sich die Gewichtskraft, die auf den Auftriebskolben wirkt, wodurch dieser wieder emporsteigt und dafür sorgt, dass sich das System wieder komplett entleeren kann. Dieser Prozess kann zu jedem Zeitpunkt gestoppt werden.