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Um einen nationalen Gedenktag wie den Volkstrauertag nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, werden alljährlich Mitte November zahlreiche Feierstunden abgehalten. Auch in Sinntal wurde in einigen Ortsteilen den Gefallenen der beiden Weltkriege sowie den Opfern von Gewalttaten gedacht.
In Sinntals Kerngemeinde Sterbfritz fand ein Gottesdienst in der Kirche samt Gedenkfeier statt. „Um des Friedens Willen stets das Richtige tun“ aus dem Matthäus-Evangelium hatte Pfarrer Arne Schmitz in den Mittelpunkt seiner Predigt in der Sterbfritzer Kirche unter Corona-Vorgaben gestellt. Wie es darin heißt, erinnere der Volkstrauertag an die Weltkriege und ihre Folgen, an Opfer und Täter. Er erinnere auch an die Menschen, die nicht nur korrekt waren und nach dem Gesetz gehandelt haben. Er wolle auch ermahnen, von den Menschen zu lernen, die in der Not solidarisch waren und ihre Talente eingesetzt haben, besonders auch von denen, die sich und ihr Leben riskiert haben.
75 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges und im Jahr der Corona-Pandemie laute die Frage „Was lernen die Menschen aus der Geschichte?“. Weltweit gebe es immer noch einer Vielzahl von Krisen und Kriege. Nicht nur Nachrichten, sondern auch Viren gingen schnell um die ganz Welt. „75 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg gibt es viele Gründe, zu danken“, sagte Pfarrer Schmitz. Über all die Jahre hätten sich Menschen für den Frieden eingesetzt, auch unter Einsatz des eigenen Lebens. Dank gelte auch allen Ehrenamtlichen für ihren Dienst an Hilfsbedürftigen und Schwachen. In seiner Fürbitte sprach der Pfarrer vom „Gott des Friedens“.
Kriegsende als Befreiung
„Vor 75 Jahren schwiegen in Europa die Waffen. 60 bis 70 Millionen Kriegsopfer hatte es gegeben“, sagte der Sterbfritzer Ortsvorsteher Willi Merx in seiner Gedenkrede. Das Kriegsende sei eine Befreiung und ein Neubeginn auch für die Sterbfritzer Bürger gewesen. In der Nachkriegszeit seien laut Merx rund 800 Flüchtlinge und Heimatvertriebene in Sterbfritz aufgenommen worden. In der örtlichen Chronik seien viele Schicksale der insgesamt 86 Gefallenen und Vermissten zusammengefasst. Einzelne Schicksale wurden jetzt in der Gedenkfeier herausgegriffen.
Es waren ergreifende Momente, als Dirk Ebenhöch, Thomas Müller und Jannik Steinmacher sogenannte Feldpostbriefe verlasen, die Soldaten aus dem Kriegsdienst an ihre Angehörigen geschrieben hatten.
„Wir trauern um die Opfer der Kriege und des Terrorismus und gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden“, sagte Ortsvorsteher Merx am Ehrenmal vor der Kirche. Er appellierte, Verständnis und Verständigung zu erreichen und zu erhalten sowie der Entstehung von Feindseligkeiten entgegen zu treten. Die Gedenkfeier wurde vom Posaunenchor Sterbfritz unter Leitung von Detlef Steffan musikalisch umrahmt. Am Ehrenmal wurden Kränze der politischen Gemeinde, des Ortsbeirats, des VdK und der Arbeitsgemeinschaft Sterbfritzer Vereine niedergelegt.
Die Trauer um Opfer, um Tote und die Sehnsucht nach Frieden prägten den Gottesdienst in Altengronau. Wegen der Corona-Pandemie gab es diesmal eine Kooperation zwischen politischer Gemeinde und Kirchengemeinde. So fand in der Aussegnungshalle am Altengronauer Friedhof ein Gottesdienst samt Gedenkfeier unter Corona-Vorgaben statt.
„In diesen Zeiten sind Abstand und Beistand erforderlich“, sagte Pfarrer i.R. Joachim Truss, der den Gottesdienst hielt. Wie er betonte, könne man auf Gottes Zuversicht zu setzen. Der Gottesdienst sei ein Bittgottesdienst für den Frieden. Er gelte der Trauer für zu früh beendetes Leben Raum zu geben. „Wir gedenken vieler toter Soldaten“, so Truss. Ihrer zu gedenken sei ein Beitrag zum Frieden. Und: „Wir gedenken heute: Wir wollen Frieden haben“. Sich für den Frieden einzusetzen, sei die Aufgabe eines jeden Menschen. Der Gottesdienst wurde von Organist Norbert Ruppert musikalisch gestaltet.
„Es ist wichtig, dass die Gedenkfeier stattfindet“, sagte der Altengronauer Ortsvorsteher Winfried Maienschein. Die Kriegsopfer seien unschuldige Menschen gewesen. Sie seien für eine Sache gestorben, die nicht ihre eigene gewesen sei. Es gelte, die Erinnerungen zu bewahren und als Mahnung weiterzugeben. Am Ehrenmal wurden Kränze der politischen Gemeinde und der Arbeitsgemeinschaft Altengronauer Vereine niedergelegt.
Auch im Ortsteil Weiperz fand eine Gedenkfeier statt. „Wir stehen hier, um unseren Verstorbenen und Gefallenen der beiden Weltkriege zu gedenken“, sagte Ortsvorsteherin Margot Klement in ihrer Ansprache. Und: „Trotz des ganzen Weltgeschehens und der täglichen Sorge um unsere Gesundheit sollen wir nicht vergessen, dass auch der Volkstrauertag wichtig ist. Wir sind in der glücklichen Lage, in unserem Land in Frieden leben zu können. Seien wir heute dankbar dafür.“ Jeder könne laut Klement einen Beitrag zum Frieden leisten.