Seit mehr als vier Jahrhunderten ein Ort der Geselligkeit und Begegnung

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Einst waren die Dorfwirtshäuser ein Treffpunkt der Generationen, gesellige Wohlfühl- und Rückzugsorte, Orte des Austausch und des Feierns vielfältigster Anlässe. Bis heute prägen sie mit ihrer Geschichte, Tradition und sozialen Bedeutung das Gemeinschaftsleben in den Dörfern und kleineren Städten – so wie der Gasthof Hausmann in Schlüchtern, der sich nun offiziell zu den 50 besten Dorfgasthäusern in Hessen zählen darf.
Unter der Schirmherrschaft des Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier veranstalteten der Hotel- und Gastronomieverband DEHOGA Hessen und der Brauerbund Hessen/Rheinland-Pfalz einen landesweiten Wettbewerb um die 50 besten Dorfgasthäuser in Hessen. Eine prominent besetzte Fachjury wählte nach dem Bewerbungsschluss Mitte November unter allen Einsendern nach festgelegten Gesichtspunkten die 50 besten Dorfgasthäuser in Hessen aus, darunter auch der Gasthof Hausmann. Hauptkriterien waren etwa die Förderung der regionalen Identität, die Bedeutung für die lokale Wirtschaft, der Mehrwert für das Gemeinwesen oder die Pflege der Tradition sowie die Nachhaltigkeit des Konzepts. Bei einem Festakt im März in der Sektkellerei Falkenberg in Flörsheim am Main zeichnete Staatsminister Axel Wintermeyer die Gewinner aus.
„Gute Dorfgasthäuser sind der Mittelpunkt einer jeden Ortsgemeinschaft. Hier werden seit Generationen Kontakte und Freundschaften gepflegt und Geselligkeit gelebt. Sie prägen mit ihrer Geschichte und ihren Geschichten die Dörfer und Gemeinden und bieten den Menschen ein Stück Zuhause“, begrüßte DEGOHA-Hessen-Präsident Gerald Kink die 300 geladenen Gäste. Auf den Gasthof Hausmann trifft dies voll und ganz zu, immerhin existiert der durchweg familiengeführte Betrieb seit 1536 und ist damit das älteste, noch bestehende Gasthaus in der Bergwinkelstadt.
Die Freude über die Ehrung ist groß bei Hans Dieter Hausmann, dem das soziale Miteinander und die Belebung der Innenstadt stets sehr am Herzen lagen und liegen. Der 54-Jährige sieht die Auszeichnung auch als „ein Schulterklopfen“ für sein jahrelanges ehrenamtliches Engagement. Schließlich ist er Mitbegründer des Vereins für Wirtschaft und Tourismus (WITO) und seit einem Vierteljahrhundert in der Gemeinschaft Schlüchterner Vereine aktiv, derzeit als deren Sprecher. Und schon immer war auch der Gasthof Hausmann ein beliebter Treffpunkt für Vereine und Gruppen jeder Art, allein 14 Stammtische kommen dort regelmäßig zusammen, um gesellige Stunden in gemütlicher Atmosphäre zu verbringen. Der älteste Stammtisch, „Die Dreigenähte“, ist der Gaststätte seit mehr als 100 Jahren treu. „Die Leute fühlen sich hier einfach zu Hause“, weiß der Wirt. „Sie schätzen, dass sie für mich eher Freunde als Gäste sind.“
Seine Vorfahren, die aus Marburg stammende Metzgersippe Denhard, siedelte sich bereits 1536 in Schlüchtern an. Hier führten sie ihr Handwerk fort und betrieben überdies eine kleine Gaststube. Am 27. Juli 1900 heiratete der Metzgermeister Hausmann aus Fleschenbach die Tochter des Metzgers Denhard, welche das Stammhaus am Eingang der Obertorstraße übernahmen, das von nun an den Namen Hausmann trug. Der langen Familientradition ist auch Hans Dieter Hausmann verpflichtet, der sich nach dem Abitur gegen ein Studium und ebenfalls für den Beruf des Fleischers entschied. Zum Gasthof gehören heute zwölf Fremdenzimmer, darunter zwei Appartements. Der Hotelbetrieb entstand 1969, als das Stammhaus in der Obertorstraße 5 abgerissen und das Nachbargebäude, das einstige Zollhaus aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, an den Neubau angegliedert wurde. Die Metzgerei indes schloss zum 31. Dezember 2003 ihre Türen. Mit der Erweiterung um den ehemaligen Verkaufsraum verfügt die Gaststätte seitdem über mehr als 60 Sitzplätze, hinzu kommen noch ein Biergarten für 30 Personen sowie ein Seminarraum. Im Jahr 2006 konnte sich der Gasthof Hausmann – als erster Gastronomiebetrieb im Main-Kinzig-Kreis – mit drei Sternen des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes schmücken.
Die Küche des Gasthofs Hausmann, der acht Mitarbeiter beschäftigt und ein beliebtes Rast- und Übernachtungsziel für Radwanderer und Motorradfahrer ist, präsentiert sich bodenständig und gutbürgerlich. Auf der Speisekarte sind zahlreiche typisch hessische Spezialitäten zu finden. Der Chef steht selbst am Herd. Unbedingt probieren sollte man den klassischen Gänsebraten mit Rotkohl und Klößen, ebenso die Flammkuchenkreationen aus dem Steinbackofen. Ein weiterer Gaumenschmaus sind die nach eigener Rezeptur hergestellten Spirituosen. Immer wieder sorgt Hans Dieter Hausmann auch mit besonderen Aktionen für Aufmerksamkeit: Zum Hellen Markt 2018 etwa lockte er die Besucher nicht nur mit Live-Musik an, sondern veranstaltete zudem ein „Frontcooking“, bei dem er die Speisen im Freien, direkt vor den Gästen, zubereitete.
Für neue, frische Ideen war und ist Hans Dieter Hausmann, der den Gasthof 1991 von seinen Eltern Hans Peter und Anni Hausmann übernahm, stets zu haben: Früh bot er beispielsweise neben den Fleisch-Delikatessen auch eine Auswahl vegetarischer Gerichte an. Und: Der Gasthof Hausmann war die erste rauchfreie Gaststätte in der Bergwinkelstadt – lange bevor das gesetzliche Rauchverbot in Kraft trat. Der aktuelle Slogan des Hauses spielt auf die Metzgervergangenheit an und rückt Gastlichkeit und Gastfreundschaft in den Mittelpunkt: „Gasthof Hausmann – hier fühle ich mich saugut!“
Weitere Informationen rund um den Gasthof Hausmann gibt es online unter: www.saugut.de