Wenn die Leute aus sich rausgehen

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„Einmal im Jahr, immer im November, meistens ist es ziemlich kalt, gehen die Leute ausnahmsweise aus sich raus, gehen eben aus dem Haus. Überall stehen Karussells und es gibt verbrannte Mandeln und Fischbrötchen.“ Mit einfachen Worten hat Marit Matthiesen beim Heimatabend in der Stadthalle Schlüchtern erklärt, was den Kalten Markt ausmacht. Und auch den designierten Kalte-Markt-Präsidenten beschrieb die 16-Jährige treffend. „Er hat einen englischen Vornamen wie die evangelische Kirche, ist kein Hausmann, obwohl er oft dort ist. Er ist kein Chef, nur Assistent. Sein Horn heißt Martin.“
Viel zu lachen gab es nicht nur beim Dingsda. Der Präsidentensketch mit Lukas Bachmann und Sandra Stoß beim Bewerbungsgespräch in der Lehranstalt war ebenfalls vom Feinsten. Da bewiesen die Präsidenten und Präsidentinnen ihre geballte musikalische Kompetenz und begaben sich auf einen Sängerwettstreit. Da erklangen Gassenhauer wie „Ein bisschen Spaß muss sein“, „Verdammt, ich will dich“ oder „Take me home“ mehrstimmig oder eher durchgemischt.
Gut drauf waren auch die „Moats kalle Backe“. Die Gruppe um Kalli Kouba hatte sich mit Sängerin Kathrin Henrich verstärkt und begab sich musikalisch auf die Straße nach Süden und in den Schatten des Doms und brachten den Saal mit der Hymne „Schlüchterner Madels, Schlüchterner Jongs“ zum Beben.
Die Traut-Euch-Sänger widmeten dem designierten Präsidenten Mike Borde die Songs „Beinhart wie‘n Retter“ und „Super Highway-Crew“ und rockten im großen Finale mit „Hey Schlüchtern“ den Saal.
Bürgermeister Matthias Möller war froh gestimmt vom Baumaufstellen auf dem Frankfurter Römer zurück und lobte die ehrenamtliche Power seiner Mitbürger. „Neben der Fichte war die Bürgergarde mit Biedermeiergruppe das meist fotografierte Objekt“, erzählte der Rathauschef und überreichte Dietmar Keidel, der den Heimatabend seit 30 Jahren moderiert, ein Geschenk.
Beim Schätzspiel haben sich Else Blum, Daniela Busch und Karl-Günter Bachmann richtig gut angestellt und wussten, dass die ehrenamtlichen Rotkreuzler des Ortsvereins Schlüchtern 7 309 Stunden im vergangenen Jahr absolvierten und 1 380 Menschen Blut gespendet hätten. Dass „Bobo“– Mike Borde und seine Partnerin Andrea Bohnert – zusammen 190 Kilo wiegen, wussten die Quizzer dagegen nicht.
Mit einem Showtanz rockten die Sugar Girls und die New Dance Generation des TV Schlüchtern den Saal. Einen Charleston führte die Junior Dance Crew vor. Beim Auftritt der Junior Dance Company kam es zu einem „Vorfall mit DRK-Einsatz“. Zwei Tänzerinnen fielen in Ohnmacht, so dass Rettungsassistent Mike Borde und die DRK-Bereitschaft eingriffen und unterstützt von einem rockigen Sound die beiden „reanimierten“. Die Rotkreuzler hatten bekanntlich Borde zum Kalte-Markt-Präsidenten vorgeschlagen und nutzten die Gelegenheit, über ihre ehrenamtliche Arbeit zu berichten. Dies tat auch Benjamin Tiyaworabun auf amüsante Art und Weise bei seinem Vortrag „Aus der Arbeit eines Sanitäters“.
Unter Leitung von Antonia Dehmer hatte die Stadtkapelle die Zuhörer mit einem Soul- und einem Sinatra-Medley auf einen kurzweiligen und spannenden Heimatabend eingestimmt.