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Die Erdbeben-Katastrophe in der Türkei und Syrien hat auch in der Türkischen Gemeinde Schlüchtern große Betroffenheit ausgelöst. Beim ersten Freitagsgebet nach dem Ereignis war diese spürbar.
Predigt und Gebet dauerten aus aktuellem Anlass länger als üblich. In der Moschee in der Schlüchterner Gartenstraße hatte sich auch Bürgermeister Matthias Möller (parteilos) eingefunden, um den Kontakt zu den türkischen Mitbürgern zu suchen und Solidarität zu zeigen. Er überbrachte zudem Beileidsbekundungen, auch im Namen von Stadtverordnetenvorsteher Joachim Truß (SPD).
Außerdem besprach er mit Hüseyin Demiral (zweiter Vorsitzender), Celal Kir (Sekretär) und weiteren Vertretern der Gemeinde Schritte, wie die Stadt in dieser schwierigen Situation helfen kann. Konkret wurden Überlegungen für ein großes Treffen aller Menschen und Religionen in der gesperrten Schlüchterner Obertorstraße an einem Samstagnachmittag Anfang März angestoßen. Von einem Fest soll in diesem Zusammenhang nicht gesprochen werden, war der Tenor.
Dabei soll nicht nur gemeinsam gebetet, sondern auch Essen und Trinken angeboten werden, dessen Erlös den Erdbebenopfern zugutekommt. „Ich sehe das als unsere Verpflichtung an“, betonte Möller. Schließlich stellten die türkischen Mitbürgerinnen und Mitbürger einen großen Anteil an der heimischen Bevölkerung. Und da könne so eine Veranstaltung auch Integrationsbarrieren aufbrechen und zu einem größeren Austausch zwischen Religionen und Kulturen beitragen.
Um die Planung zu konkretisieren, will er sich kurzfristig mit dem Stadtverordnetenvorsteher und dem Ökumenischen Arbeitskreis beraten. Die Türkische Gemeinde begrüßte jedenfalls die Idee.
Diese zählt in der Bergwinkelstadt rund 200 Familien. Außerdem kommen regelmäßig weitere Gläubige zu den Gebetsstunden hinzu, so auch muslimische Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan, erklärte Celal Kir. Die Betroffenheit sei insgesamt groß, da viele Verwandte und Freunde in der Beben-Region hätten, die verstorben oder verletzt seien oder teilweise sämtliches Hab und Gut verloren hätten.
Direkt in die Gemeinde reichte dieser Fall hinein: Eine Frau, die in der Türkei lebt, weilte während des Unglücks wegen einer Behördenangelegenheit in Schlüchtern. Sie hat damit überlebt, aber ihr gesamter Besitz und die Wohnung in der türkischen Heimat sind zerstört und vernichtet.
Nach dem Freitagsgebet hatten Frauen ein großes Buffet mit süßen und herzhaften Speisen zum Verkauf zusammengestellt. Die Leckereien wurden von Türken und Deutschen eifrig nachgefragt. Auch hier kommt der Erlös direkt den Opfern der Naturkatastrophe zugute.