Ziele erreichen und über Zäune springen

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„Wer im Leben kein Ziel hat, verläuft sich!“ Dieses Zitat des amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln (1809-1865) stand als Motto über den Bad Sodener Gesundheitstagen, ein Wochenende mit Angeboten, Vorträgen und Beratung rund um Gesundheit und Wohlbefinden.
Bereits zum 12. Mal eröffnete Dieter Holk, der Geschäftsführer des Netzwerks für Gesundheit, die zweitägige Veranstaltung. Der Gesundheitsstandort Bad Soden-Salmünster mit seinen sieben Kliniken, Senioren-Einrichtungen, dem Netzwerk Gesundheit, seiner Infrastruktur und dem bezahlbaren Wohnraum biete beste Voraussetzungen für die vom Kreis geplante Ansiedlung der Akademie für Gesundheit und Pflege, befand er.
Bürgermeister Dominik Brasch betonte die Unterstützung des Akademie-Projektes durch die politischen Gremien. Die Kurstadt sei ein gewachsener Gesundheitsstandort, der sich weiterentwickeln wolle. Ein Zeichen dafür sei auch die alljährliche Ausrichtung der Gesundheitstage. „Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht noch immer geschwinder, als jener, der ohne Ziel umherirrt“, zitierte der Bürgermeister den Dichter Gotthold Ephraim Lessing, um das Veranstaltungsmotto zu unterstreichen.
Mit der Ansiedlung der Akademie wolle der Main-Kinzig-Kreis sowohl dem Fachkräftemangel in der Pflege entgegenwirken, als auch Menschen von außerhalb für die Region begeistern. Wahrscheinlich werde der Kreistag im März über deren Standort entscheiden, antwortete Vize-Landrätin Susanne Simmler. Nun war es Zeit für den Eröffnungsvortrag „Ziele, Zeiten, Zäune“ des erfolgreichen Langstreckenläufers und Olympiasiegers Dieter Baumann (55). Leichtfüßig erklomm er die Bühne, während ein Filmausschnitt die dramatischen letzten Meter seines Olympiasieges 1992 in Barcelona über 5 000 Meter dokumentierte.
Nach 22 Jahren hatte der Hochleistungssportler seine Leistungssportkarriere beendet und die Läuferszene mit der Kleinkunstbühne getauscht. Humorvoll, agil und zugewandt plauderte er in nettem Schwäbisch über seine sportlichen Rekorde, seine Begegnungen mit anderen Bestläufern und vor allem über den Aspekt der Motivation.
Wie entsteht Motivation? Leistungssport sei durchaus mit dem „richtigen Leben“ vergleichbar. „Wir brauchen ein Ziel“, erklärte Dieter Baumann. Entscheidend sei jedoch, die Ziele nicht zu hoch zu stecken, denn daraus resultierten die meisten Niederlagen, und die Motivation breche zusammen. Ab dem Start gelte es, ausschließlich an die nächste Etappe zu denken und sich sukzessive voran zu arbeiten. In schwierigen Lebenssituationen sei dies allerdings eine besondere Kunst. Seine eigene schwerste Runde sei die „Zahnpasta“ gewesen, die sein Leben verändert habe, bekannte er, ohne weiter auf die Folgen der Dopingkontrolle 1999 einzugehen.
Manchmal reichten zur Veränderung nur zwei Stellschrauben, um „das Leben wieder zum schönen Bild umzufunktionieren“, ermutigte er und zeigte mit einem Puzzle, wie die erneute Zusammensetzung der Teile das Bild wieder komplettiert. Natürlich sei es auch manchmal nötig, „über den Zaun zu springen“, demonstrierte Dieter Baumann.
20 Minuten spazieren gehen, Krafttraining oder Nordic Walking, sogar nur zehn Minuten Bewegung seien gut, riet er.
Mit viel Applaus belohnten die Zuhörer den informativen und zugleich unterhaltsamen Vortrag.
In der Brunnenpassage stellten sich die Netzwerkpartner, die Kliniken Bellevue, Salztal, Lohrey, St. Marien, Median Kinzigtal, Knappschaft, der Kalinka Pflegedienst und die Spessart Therme sowie Gesundheitsdienstleister und Selbsthilfegruppen den Fragen der Besucher, präsentierten ihre Angebote, zu denen auch kleine Gesundheits-Checks, wie Diabetes-Test, Blutdruckmessung, Körperanalyse und Lymphdrainage gehörten.
Die Fachvorträge der Mediziner und Therapeuten boten ein breites Themenspektrum. So ging es etwa um Osteopathie-Behandlung, Arthrose-Therapien, Gelenkgesundheit, Traditionelle Chinesische Medizin, Entspannung und Muskeltraining.
Für gesunde Bewirtung sorgten die Küchen-Teams der Netzwerkkliniken.
Die Grundschulkinder aus Bad Soden nahmen als „Club der Kochmützen“ wieder an einem Malwettbewerb zum Thema „Was will ich werden?“ teil.