Für Teilhabe und Integration

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Für Teilhabe und Integration behinderter Menschen setzt sich die Lebenshilfe Schlüchtern seit genau 50 Jahren ein. Am 15. Januar 1969 hatte der Kinderarzt Dr. Rudolf Pabst mit einigen betroffenen Eltern in der Klosteraula die Selbsthilfeorganisation gegründet.
Heute gibt es im Altkreis Schlüchtern zehn Einrichtungen, in denen 250 Menschen mit Behinderung gefördert werden. In einer Feierstunde anlässlich der Eröffnung einer Ausstellung der Künstlergruppe Farbenfroh und Schülern der Heinrich-Hehrmann-Schule in der Kreissparkasse Schlüchtern hat Vorsitzende Karin Grauel 13 Gründungsmitglieder ausgezeichnet. Dies sind Pfarrer Klaus Arnold, Luise Beuscher, Heinrich Leipold, Reinhold Landgraf, Karin Methfessel, Inge-Lore Greifelt, Martha Simon, Ferdinand Bertram, Richard Famulok, Marlies Heil, Wilhelmine Hildebrand, Christine Schreiber und Klaus Henrich.
„Dr. Pabst hatte erkannt, dass behinderte Kinder mit Förderung bessere Entwicklungschancen haben“, berichtete Karin Grauel in ihrem Rückblick. Bereits im Gründungsjahr habe die Lebenshilfe Schlüchtern in der ehemaligen Volksschule in Gomfritz die erste Schule für Praktisch Bildbare untergebracht. „Menschen mit Behinderung hatten damals keine Möglichkeiten, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Kinder wurden versteckt, da sich die Familien schämten.“ Im Jahre 1974 hätten die Lebenshilfen Schlüchtern, Gelnhausen, Hanau und der Main-Kinzig-Kreis das Behindertenwerk Main-Kinzig aus der Taufe gehoben. Durch diese Initiative gebe es heute Frühförderung von Kleinkindern, Kindertagesstätte, Förderschule, Wohnstätten, Betreutes Wohnen und Arbeitsplätze in Werkstätten. „Das Recht auf Teilhabe ist ein Menschenrecht. Menschen mit Behinderung brauchen unsere Unterstützung“, betonte die Vorsitzende.
Gründungsmitglied Pfarrer Arnold erinnerte sich an viele Gespräche, die Dr. Pabst mit Behörden, Schulen, Ärzten und betroffenen Eltern geführt hatte. „Behinderung galt als Stigma. Viele meinten, dass es im Bergwinkel keine Kinder mit Behinderung gebe. Die Familien versteckten ihre behinderten Angehörigen auch aus Ängsten vor Gräueltaten wie im Dritten Reich. Glücklicherweise hat es sich schnell herumgesprochen, welch segensreiche Arbeit in Gomfritz geleistet wurde. Die Bevölkerung war für die Lebenshilfe sensibilisiert“, berichtete der Seelsorger. Aus ganz Kleinem sei ganz Großes geworden wie die Behindertenwerkstätten mit 1 200 Beschäftigten.
Landrat Thorsten Stolz bezeichnete die Lebenshilfe als eine große Bürgerbewegung für Menschen mit Behinderung. „Lebenshilfe steht für Offenheit, Vielfalt, Achtung und partnerschaftliches Verhalten und viel, viel Humor, Herzlichkeit und Wärme.“ Menschen mit Behinderungen müssten gleichberechtigt und selbst bestimmend am gesellschaftlichen Leben teilhaben. „Inklusion bedeutet auch barrierefreie Grundschulen und kleinere Gruppenräume. Hierzu fehlen aber noch immer die personellen und finanziellen Ressourcen.“ Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Behindertenwerks Main-Kinzig, Joachim Schröck, hob hervor, dass die Lebenshilfe das Menschenbild verändert habe. Die Welt brauche eine inklusive Gesellschaft der Vielfalt.
„Die Lebenshilfe ist mehr als ein Verein“, hatte Sparkassenvorstand Thomas Maus bei der Begrüßung betont und gemeinsam mit Werner Hölzer von der VR Bank Fulda einen Spendenscheck von jeweils 500 Euro überreicht. Maus war beeindruckt von den farbenfrohen, großflächigen Acrylgemälden und bunten Skulpturen.