Gelebte und gelittene Geschichte

Text_2

Die Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Kerstin Baier-Hildebrand mit Bürgermeister Matthias Möller.

Integrieren, Identität stiften, Kultur pflegen, Tradition bilden und Zukunft weisen: Der Heimat- und Geschichtsverein ist im Bergwinkel zu einer Institution geworden. Im besonderen Ambiente des historischen Festsaals der Elmer Gaststätte „Sieben Brüder“ haben die Heimatforscher in geselliger Runde ihren 40. Geburtstag gefeiert. Kürbissuppe und gute Gespräche standen im Mittelpunkt eines gemütlichen Abends. Auf eine steife akademische Feier hatte der Vorstand verzichtet.
„Der Heimat- und Geschichtsverein widmet sich der Erforschung der Heimatgeschichte und erstrebt die Vertiefung und Verbreitung der Kenntnisse der heimatlichen Kulturgüter“, zitierte Vorsitzende Kerstin Baier-Hildebrand den Vereinszweck, wie ihn die 32 Gründer vor vier Jahrzehnten in der Satzung festgeschrieben hatten. „Heimatgeschichte ist die von jedem Menschen erlebte und gelittene Geschichte. Ohne ihre Kenntnis ist niemand in der Lage, in größeren Zusammenhängen zu denken und zu handeln.“ Der Verein sollte sich als Sammelpunkt vielfältiger kultureller Interessen verstehen und nicht allein auf die Erhaltung und Sicherung des Übernommenen bedacht sein, sondern auch Anregungen des gegenwärtigen Kulturlebens aufnehmen, habe Vorsitzender Albin Anhalt vor 40 Jahren die Ziele formuliert.
Baier-Hildebrand begrüßte die Gründungsmitglieder Alfred Anhalt, Claus Cebulla, Falko Fritzsch, Kaspar Krucker, Willi Kühltau, Hans Konrad Neuroth, Dr. Otto Rabenstein und Hasso Schiefler, die teilweise heute noch Wegbegleiter und Berater seien, persönlich. Bis zum Umbau des Lauter‘schen Schlösschens im Jahre 2002 hätten die Mitglieder ohne Vergütung die Aufsicht im Heimatmuseum an Sonn- und Feiertagen geführt.
Es sei das besondere Verdienst von Albin Anhalt gewesen, die Schriftenreihe „Unsere Heimat“ mit heimatbezogenen, fachwissenschaftlich bearbeiteten Themen zu konzipieren. Das erste Heft sei 1985 erschienen. Bis heute seien 33 weitere gefolgt. Neben den Beiträgen von Stadtarchivar Bernd Ullrich hätten vor allem die Heimatforscher Dr. Elisabeth Heil und Dr. Georg Wilhelm Hanna mit vielen Beiträgen und Vorträgen den Geschichtsverein aktiv unterstützt.
Zu den Glanzlichtern im Vereinsleben zählte Kerstin Baier-Hildebrand das Hutten-Jahr 1988 und die 1 000-Jahr-Feier 1993 mit dem historischen Festzug und das Projekt „Zeitkapsel“ vor drei Jahren. Auch die Stilisierung des ehemaligen Ostchores der Klosterkirche sei vom Verein initiiert und unterstützt worden. Das ehrenamtliche Wirken sei eine der wertvollsten Ressourcen der Gemeinschaft. Den Mitgliedern des Heimat- und Geschichtsvereins könne man für ihr Engagement gar nicht genug Anerkennung zollen.
Bürgermeister Matthias Möller lobte das Auftreten der Heimatforscher, die beim „Todesmarsch“ und „80 Jahre Reichsprogromnacht“ Geschichte sichtbar gemacht hätten. „Man muss sich der Vergangenheit bewusst werden. Wer Gegenwart nicht versteht, kann Zukunft nicht gestalten.“ Die Geschichtspflege sei auch wichtig für die Stadtentwicklung. „Auch die Synagoge braucht eine neue Zukunft.“
Marianne Sperzel, Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Bad Soden-Salmünster, betonte in ihrem Grußwort die enge Verbundenheit der beiden Vereine, habe ihr Vorgänger Georg-Wilhelm Hanna doch geholfen, den Geschichtsverein Schlüchtern aus der Taufe zu heben.
Musikalisch umrahmten die Steinauer Bänkelsänger unter Leitung von Mario Pizzala die Feier mit Liedern wie „Hessenland, du bist mein Heimatland“ oder „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“.