Der Timo Boll von Schlüchtern

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Als erste Amtshandlung stellte sich der künftigen Kalte-Markt-Präsident Gerold Raab in der Waldgaststätte Acis dem Club der Präsidenten vor.
„Ihr könnt auf mich zählen. Ich komme vom Dorf, da ist es üblich, dass man sich für das Vereinsleben engagiert. Ich werde alles reinlegen, damit die Tradition weitergeht“, betonte der Verkaufsleiter eines Offenbacher Unternehmens für Kälte- und Umwelttechnik. Seit 1986 lebt Gerold Raab mit Ehefrau Angelika und den Kindern Jana und Jens in Schlüchtern, engagiert sich beim Schlüchterner Carneval Club „Die Spätzünder“ und spielt für den TV Schlüchtern in der Bezirksklasse Tischtennis.
Besonderen Wert legt Gerold Raab auf ein gutes Nachbarschaftsverhältnis. Da trinke man gern abends auf der Terrasse ein Glas Rotwein zusammen. Damit auch ein freundschaftliches Verhältnis zu den künftigen Kollegen herrschen soll, war sein Einstandsgeschenk an die 34 anwesenden Kalte-Markt-Präsidenten ein Flaschenöffner und Weinstopper.
Der Club der Präsidenten nahm ihn mit offenen Armen auf, und es dauerte nicht lange, da trank er mit Sandra Stoß, Karin Rummel und Ilona Föller auf Brüderschaft. „Du darfst uns alle jetzt duzen“, meinte Club-Chef Jörn Hagemann zu dem „Timo Boll von Schlüchtern“.
Nach der traditionellen Kalte-Markt-Klößchen-Suppe stellte Acis-Wirt Ralf Hoffmann den neuen Präsidentenschnaps „Geroldseiner Graaba“ vor. „Der beißt und hat es in sich“, meinte einer nach der ersten von einigen geselligen Runden. Bevor dann das obligatorische Präsidentenfoto geschossen wurde, bedankte sich Jörn Hagemann bei der scheidenden Präsidentin Sandra Fahrein-Schäfer. Sie sei immer mit Herzblut bei der Sache gewesen und habe das Amt mit Würde ausgeübt. Sandra Fahrein-Schäfer sprach ihrerseits von einem super Jahr, in dem sie jede Minute genossen habe.
Hagemann erinnerte an den verstorbenen Goldpräsidenten Helmut Kaiser und gratulierte Silberpräsident Alfred Heilmann. Gleich zwölf weitere Kollegen feierten in diesem Jahr Dienstjubiläen. „Das Durchschnittsalter eines Kalte-Markt-Präsidenten liegt bei 40 Jahren.“
Ein weiteres Jubiläum stehe an. Vor 50 Jahren habe Bürgermeister Dr. Reinhold Anderlitschek zur Stunde der Anerkennung geladen und allen ehemaligen Präsidenten seit 1951 einen kleinen Ehrenschlüssel überreicht. Er regte damals an, einen Club der ehemaligen Präsidenten zu gründen, was dann zügig umgesetzt worden sei. „Seit 1995 sind wir ein eingetragener Verein. Auf die Anerkennung der Gemeinnützigkeit müssen wir aber weiter verzichten, weil bei uns nur ehemalige Kalte-Markt-Präsidenten Mitglieder werden können“, bedauerte Hagemann.
Und er stöberte im Stadtarchiv, um heraus zu finden, seit wann es den Kalten Markt nach dem Krieg tatsächlich gibt. „Bereits 1945 wurde in einigen Wirtschaften und in der Volksturnhalle ein Kalter Markt gefeiert mit Würstchen aus Ziegenfleisch und Semmel.“ Also feiere die Bergwinkelmetropole jetzt den 72. Markt.