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Das Kaufhaus Langer schließt zum 30. April 2018 an den Standorten Schlüchtern und Bad Orb seinen Warenhausbetrieb „Es ist die bitterste Entscheidung meines Lebens. Die permanent nachlassende Kundenfrequenz in den Innenstädten, der zunehmende Wettbewerb mit den Märkten auf der Grünen Wiese und der stark wachsende Online-Handel zwingen uns zu diesem Schritt“, teilte Geschäftsführerin Andrea Marburger auf einer Pressekonferenz im Schlüchterner Rathaus mit.
„Ich bin sehr betroffen im Hinblick auf unsere vielen Mitarbeiter, die teilweise ihr ganzes Arbeitsleben bei uns verbracht haben und uns immer unterstützt haben, wenn wir das Kaufhaus den veränderten Marktbedingungen anpassen mussten.“ Mit einem Interessenausgleich und Sozialplan wolle das Unternehmen die wirtschaftlichen Nachteile der rund 40 Vollzeitkräfte abmildern.
Die Schließung sei eine Konsequenz, die sich seit Jahren abgezeichnet habe. „Mit jedem neuen Mitbewerber haben wir ein Stückchen verloren.“ Alle Versuche, die Abwärtsentwicklung umzukehren, seien gescheitert. „Seit dem Jahre 2000 bis heute haben wir 70 Prozent Umsatz eingebüßt.“ Sönke Papenhausen, Schwager der Geschäftsführerin und Berater des Unternehmens, sprach davon, dass es erste Gespräche mit möglichen Investoren – auch aus der Region – gegeben habe. Eine Umwidmung der Immobilie mit gewerblicher Nutzung im Erdgeschoss und Wohnen in den oberen Stockwerken sei durchaus denkbar. „Für unsere Mieter finden wir Lösungen und werden den Zugang zu den Verkaufsräumen sichern.“
Bürgermeister Matthias Möller hatte unverzüglich eine Sitzung einberufen, um mit Magistrat, Ältestenrat, Amtsleitern und dem Verein für Wirtschaft und Tourismus (Wito) die Lage zu erörtern. „Das ist ein schwieriger Tag für Schlüchtern, die betroffenen Mitarbeiter und das Familienunternehmen Langer und ein Rückschlag in unseren Bemühungen, die Innenstadt zu beleben. Wir werden aber nicht in Schockstarre verfallen, sondern arbeiten gemeinsam an Lösungen, um die Kaufkraft in Schlüchtern zu erhalten.“ Das Programm „Aktive Kernbereiche“ biete Möglichkeiten, die Lage zu stabilisieren und eine Neuausrichtung zu entwickeln.
Für Wito-Chef Axel Ruppert ist die angekündigte Schließung eine schmerzliche Geschichte. Das Kaufhaus Langer sei Jahrzehnte der Kundenmagnet für Schlüchtern gewesen. „Ich ziehe den Hut vor der Geschäftsleitung, nicht in letzter Notsituation diesen Schritt zu tun, sondern mit großer Umsicht. Wir müssen so keinen Kaltstart hinlegen.“ Bürgermeister Möller versprach, ein professionelles Management aufzubauen. „Verlässlichkeit und Beständigkeit sind die Werkzeuge, um das Areal zu entwickeln.“ Die sensible Phase habe bereits begonnen, kündigte der Rathauschef Gespräche mit Ministerien an.
August Schöppner hatte 1947 das Kaufhaus in Schlüchtern eröffnet und später an seinen Schwiegersohn Helmut Langer übergeben. Das heutige Einkaufsland Langer gibt es seit rund 40 Jahren. „Zu Hochzeiten hatten wir 150 Mitarbeiter. Ende der 90er Jahre mussten wir den Lebenmittelmarkt im Untergeschoss schließen. Danach die Cafeteria im dritten Stock“, berichtete Andrea Marburger, Enkelin des Firmengründers August Schöppner. Vor rund zehn Jahren schien ein neues Konzept aufzugehen. Das Unternehmen stellte Geschäftsflächen zur Verfügung. Zu den Mietern gehörten unter anderem ein Bäcker, ein Drogeriemarkt, die Post, eine Musikschule und eine Anwaltskanzlei.