Margot Dernesch referiert über die Familie Grimm

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„Das stille, ruhige Beisammensein, das gleiche Studium und das einfache Unterreden sind etwas so Schönes; und ich könnte es nicht entbehren in meinem Leben“. Diese Gefühle beschrieb Wilhelm Grimm als 23jähriger über sein Verhältnis zum Bruder Jacob in einem Brief an Achim von Arnim im Juli 1809. In der Tat: Die beiden Brüder Jacob und Wilhelm Grimm waren unzertrennlich. So begann Margot Dernesch ihren Vortrag über die Familie Grimm.
Vorher hatte der Vorsitzende des Freundeskreises Märchenstraße, Gerhard Freund, die Anwesenden begrüßt. Er betonte, dass der Verein auch im Jahr 2017 mit zwei weiteren Veranstaltungen die Vortragsreihe über die Brüder Grimm und ihre Märchen fortsetzen werde. Margot Dernesch hatte ihren Vortrag mit zahlreichen Bildern untermalt. Dazu lag auf den Tischen u. a. die Kopie eines Stammbaumes. Die fünf Brüder – Jacob, Wilhelm, Carl, Ferdinand und Ludwig Emil – hätten nach dem Wegzug von Hanau nach Steinau zu dem Städtchen im oberen Kinzigtal einen besonderen Bezug gehabt. Immerhin haben sie ihre Kinder- und Jugendjahre hier verbracht. Ihre einzige Schwester, Charlotte Amalie, ist sogar 1793 in Steinau geboren.
Leider wurde Vater Philipp Wilhelm Grimm, der im Amtshaus des Grimmstädtchens von 1791 – 1796 die Stelle eines Justizamtmannes begleitete, nur 45 Jahre alt. Eine Lungenentzündung brachte ihm den frühen Tod. „Für die Mutter Dorothea Grimm bedeutete dieses schlimme Ereignis einen sozialen Abstieg“, so Margot Dernesch wörtlich. Sie musste mit ihrer kinderreichen Familie das Amtshaus verlassen und in die „Alte Kellerei“ am Brückentor ziehen. Hier teilte sie sich mit drei weiteren Familien das Untergeschoss.
Dass die beiden berühmten Germanisten und Märchenbrüder Jacob und Wilhelm überhaupt studieren durften, hätten sie der Schwester ihrer Mutter in Kassel zu verdanken. Henriette Zimmer habe als erste Kammerfrau der Landgräfin großen Einfluss gehabt und auf ihre Fürsprache das Studium der Germanistik in Marburg ermöglicht. Malerbruder Ludwig Emil Grimm konnte mit seinen Gemälden, Bleistiftzeichnungen und Radierungen zu einer Zeit, da es noch keine Fotografien gab, wichtige Stationen der Grimmfamilie optisch festgehalten. Als Auftragsmaler habe er auch wichtige Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts portraitiert. „Einige seiner Radierungen, die im Besitz des Freundeskreises Märchenstraße sind, hat dieser dem Grimm-Museum im Amtshaus als Leihgabe zur Verfügung gestellt“, konnte Margot Dernesch berichten.
Das Problemkind der Familie sei Bruder Ferdinand gewesen. Dies geht zumindest aus den Aufzeichnungen von Ludwig Emil Grimm „Erinnerungen aus meinem Leben“ und aus Briefen von Wilhelm Grimm an Achim von Arnim hervor. Sie beschwerten sich darin über seine Faulheit, gepaart mit einer gewissen Lebensuntüchtigkeit. „Zufall und Schuld sind immer beisammen … er verschläft die rechte Zeit und klagt nachher. Ich habe ihm bisher Geld gegeben … er muss sich jetzt notwendig selbst sein Brot verdienen“, so Wilhelm Grimm.
Margot Dernesch zeigte anhand des Stammbaumes auf, dass die Fortpflanzung der Grimms wohl problematisch gewesen sei. Jacob, Carl und Ferdinand seien kinderlos geblieben. Aus der Ehe von Wilhelm mit Henriette geb. Wild gingen zwei Jungen und ein Mädchen hervor. Ludwig Emil Grimm habe in erster Ehe keine Kinder gehabt. In zweiter Ehe mit Marie Böttner ist Tochter Friederike hervorgegangen. Diese wiederum habe zwei Söhne und eine Tochter zur Welt gebracht. Nach Aussagen von Historikern, so Margot Dernesch abschließend, gebe es heute noch Nachkommen. Allerdings hießen sie mit ihrem Familiennamen nicht mehr Grimm.