Wir flogen zum Mond – und entdeckten die Erde

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Das Museum Brüder-Grimm-Haus Steinau präsentiert vom 11. Juni bis 7. August täglich von 10 bis 17 Uhr aus der Sammlung des Sinntaler Handschriftensammlers und Weltraum-Enthusiasten Erhard Belz Autogramme, Modelle, historische Original Exponate und „Space-Flown-Artefakts“ aus 60 Jahren Raumfahrtgeschichte.
Seit Anfang der 90er Jahre sammelt der Sinntaler Erhard Belz Autogramme und Exponate, die mit der Raumfahrt in Verbindung stehen. Nun zeigt er erstmals in den Räumlichkeiten des Museums Brüder-Grimm-Haus in Steinau ausgewählte Stücke und Raritäten aus seiner Sammlung, die rund 60 Jahre Raumfahrtgeschichte bebildert.
Auch wenn es im ersten Moment seltsam erscheint, der Weltraum ist kein fremdes Thema in den Steinauer Museen. Unter dem Motto „Von Steinau auf die Straße ins All“ wird im Museum Steinau die in Steinau beheimatete Firma PACO – Paul GmbH & Co. KG mit einem von ihr hergestellten Bauteil der Ariane 5-Rakete, einem Filtersieb, das den Namen Gas Retention Device trägt vorgestellt. Auch jetzt beteiligt sich die PACO mit einigen Exponaten an der Ausstellung.
Zu sehen sind in der Ausstellung aber auch ganz andere Dinge: Unterschriften von Hermann Oberth und weiteren deutschen Raketenpionieren, die später im Team von Wernher von Braun, dem Vater der Mondrakete, Raumfahrtgeschichte schreiben sollten.
Weitere Autogramme vom ersten Menschen im Weltall, Juri Gagarin, der ersten Frau im Weltall, Valentina Tereschkowa und dem ersten „Weltraumspaziergänger“ Alexej Leonov belegen die Vorreiterrolle der damaligen Sowjetunion im beginnenden „Space Race“. US-Präsident Kennedy nahm den Wettkampf um die Vorherrschaft im Weltall an und verkündete Anfang der 60er Jahre das wagemutige Mondlandeprogramm „Apollo“. Von Kennedy wird eine Unterschrift aus seiner Zeit als US-Präsident gezeigt und auch von Neil Armstrong, dem ersten Menschen auf dem Mond.
Ein Highlight der Ausstellung ist ein Original Checklistenblatt der „Apollo 8“-Mission. Es war beim ersten Flug der Menschen zum Mond dabei und trägt die Unterschrift von James Lovell, dem späteren Kommandanten von Apollo 13.
In Steinau, und so wird die Relevanz der Ausstellung in den Steinauer Museen deutlich, gibt es ein Unternehmen, welches als Lieferant für Luft- und Raumfahrt qualifiziert ist und einen kleinen Teil des Erfolges der Ariane 5 für sich verbuchen darf. Die Metallgewebe und Filterfabrik PACO – Paul GmbH & Co. KG lieferte eine spezielle Filterkomponente für die Treibstofftanks der obersten Ariane-Stufe, die in der Schwerelosigkeit störungslos funktionieren müssen. Damit das hoch komplexe Antriebs- und Steuerungssystem im All perfekt arbeitet, dürfen sich im Treibstoff für die Antriebssysteme keine Gasbläschen befinden, die zu Störungen führen könnten. Um dies zu verhindern kam aus der Fertigung von PACO eine Art „Blasenfalle“, die praktisch Luft aus dem Treibstoff „siebt“. Das Bauteil wurde komplett in Steinau konfektioniert, gefertigt und qualitätskontrolliert.
Der mittlerweile schon berühmte Mars-Rover „Curiosity“ hat übrigens auch Steinauer Teile an Bord. Zu den Aufgaben des seit rund drei Jahren auf dem Mars arbeitenden Rovers in Kleinwagengröße gehört unter anderem das Sieben von Mars-Bodenproben direkt vor Ort. Von allen Siebgewebe-Herstellern der Welt auf der Welt wurde die Firma PACO ausgewählt, „Curiosity“ entsprechend auszustatten. Der Mars-Rover ist an seiner Vorderseite mit einem circa zwei Meter langen Roboterarm ausgerüstet. Mit dessen drei Gelenken lässt er sich ähnlich dem menschlichen System aus Schulter-, Ellenbogen- und Handgelenk bewegen. So können Instrumente sehr gezielt und nah zu den Zielobjekten auf dem Marsboden gelenkt werden. Am vorderen Ende des Roboterarms befinden sich ein Bohrsystem, eine Baggerschaufel, eine Bürste und ein PACO-Sieb mit Auffangbehältern. Dieses Instrumentarium ist auch dazu in der Lage, Bodenproben aus tieferen Schichten zu gewinnen und Löcher in Felsen zu bohren. Das Material eines Bohrkerns wird jeweils pulverisiert, um dann zum Filtersystem befördert zu werden. Es verfügt ebenfalls über mehrere Siebe mit PACO-Geweben (400 mesh und feiner). Alles in allem ist PACO damit Teil des komplexesten und produktivsten Forschungssystems, das bislang in der Weltraumforschung eingesetzt wurde und wird – von der erdnahen Internationalen Raumstation ISS einmal abgesehen.
Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, 10. Juni, um 18 Uhr. Auf Anfrage bietet Erhard Belz am Wochenende Führungen an.