„Im Amateurbereich will ich alles abräumen“, antwortet Denisa Lauer, wenn man sie nach ihren nächsten Zielen fragt.
Die 15-Jährige ist Kickboxerin und kann in diesem Alter bereits beachtliche Erfolge vorweisen: Bei ihrer ersten Kickbox-Weltmeisterschaft im August in Berlin erkämpfte sie sich gleich zweimal die Silbermedaille. In den Disziplinen Leichtkontakt und Kicklight schaffte sie es jeweils bis ins Finale und darf sich folglich zweifache Vizeweltmeisterin nennen.
Nach der erfolgreichen WM in Berlin hat Denisa bereits das nächste klare Ziel vor Augen: die Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft 2027 in Mexiko. „Ich bin hochmotiviert und diszipliniert. Ziele, die ich erreichen will, werde ich erreichen“, ist die Marbornerin überzeugt.
Seit gut zwei Jahren trainiert Denisa in Michels Kickboxarena in Wächtersbach. „Ich habe vorher in viele Sportarten reingeschnuppert: Tanzen, Reiten, Fußball. Ich hatte nie das Gefühl, hier passe ich rein.“ Ganz anders beim Kickboxen. Sie begleitete ihren jüngeren Bruder Henry zu einem Schnuppertraining und war sofort Feuer und Flamme für diese Sportart. „Es war richtig geil“, erinnert sich die Jugendliche.
Ihr Trainer hat Denisas Talent damals schnell erkannt, unterstützte ihren Ehrgeiz und in Michels Kickboxarena ging es für sie stetig voran: Aus einer Trainingseinheit in der Woche wurden drei pro Woche, Denisa wurde Kindertrainerin und seit August dieses Jahres ist sie als Auszubildende zur Sport- und Fitnesskauffrau in der Kickboxarena beschäftigt und kann somit Hobby und Beruf verbinden.
„Die Leute dort sind wie eine zweite Familie für mich. Wir gehen respektvoll miteinander um, vermitteln Werte wie Loyalität und Disziplin“, schwärmt die junge Kickboxerin, die nach eigener Aussage viel Herzblut in ihren Sport steckt und das Training mit den Kindern liebt.
Obgleich in Michels Kickboxarena eine Reihe von Mädchen und Frauen trainiert, ist Denisa derzeit die einzige unter ihnen, die Wettkämpfe bestreitet. Im Februar dieses Jahres trat sie zum ersten Mal in ihrer Altersklasse 15 bis 17 Jahre (plus 65 Kilogramm) an. Bereits einen Monat später erhielt sie die Einladung der World Karate und Kickboxing Union (WKU) zu einem Sichtungslehrgang mit dem deutschen Nationalteam in Karlsruhe und gehört seitdem als Kämpferin dem deutschen Nationalteam an. Nach dem ersten Wettkampf im Nationaltrikot stand die junge Marbornerin bereits auf Platz zwei der Weltrangliste.
Gefragt nach ihren bisher ärgsten Blessuren berichtet Denisa von einer gespaltenen Lippe und geschwollenen Wangenknochen. „Das stört mich nicht, das gehört dazu“, zeigt sie ihre Nehmerqualitäten. Auf der Matte sei sie ein anderer Mensch als im Alltag und bekennt: „Ich musste schon ganz schön einstecken.“ Für ihre Eltern Melanie und Tobias Lauer ist das nicht immer ganz leicht, wie sie zugeben. Nichtsdestotrotz unterstützt die gesamte Familie Denisa auf ihrem Weg. Die Eltern bewundern ihre Zielstrebigkeit und der zehnjährige Henry trug bei der WM in Berlin stolz die Deutschlandfahne mit dem Namen seiner großen Schwester.
Bei aller mentalen Stärke stellt sich die junge Sportlerin vor Wettkämpfen stets dieselben Fragen: War meine Vorbereitung ausreichend? Hätte ich etwas verbessern können?. Hier kommen ihre Trainer Michael Wiedersum und Sebastian Meister ins Spiel, die im Laufe der Zeit „sehr gute Freunde und Vorbilder geworden sind und mir Stärke und Sicherheit vermitteln“.
„Denn wenn ich mental nicht stark genug bin, dann wird das mit den Wettkämpfen nichts“, weiß Denisa, die sich vor dem Gang auf die Matte zurückzieht und sich auf sich selbst besinnt. „In einen Tunnel komme ich mit Musik auf den Ohren, am liebsten Deutschrap wie Kontra Ks „Erfolg ist kein Glück“ oder einfach mit ein paar Beats, die mein Adrenalin ein bisschen pushen“, erzählt sie. „Auf der Matte sage ich mir dann, jetzt wird hier richtig abgeräumt.“ Und ganz gleich, wie hart der Kampf geführt werde, danach zolle man der Gegnerin seinen aufrichtigen Respekt, nennt Denisa ein Beispiel für das Miteinander auf Augenhöhe, das sie an ihrem Sport sehr schätzt und für den sie sich weniger Vorurteile und mehr Anerkennung wünscht. Anderen Mädchen, die sich für den Kampfsport interessieren, rät sie: „Fangt einfach an, egal, was andere sagen. Macht euer Ding, zeigt dass ihr kämpfen könnt. Gebt Vollgas!“ Ihre eigene Zukunft sieht Denisa als Kickboxerin im Profibereich oder als Inhaberin einer Kickbox-Schule. Getreu ihrem Motto: „Never give up – gib niemals auf“, bekräftigt sie: „Ich weiß, was ich kann und will.“

