Text_2

Erzieherinnen fangen auf und reichen die Hand, sie begleiten auf vielen ersten Malen und neuen Lebensabschnitten und legen das Fundament für einen langen Lebensweg. Erzieherinnen sind Tränchen-Trocknerinnen und lassen Selbstvertrauen wachsen, sie ermutigen zum Entdecken und auch einmal neugierig zu hinterfragen und schaffen nicht zuletzt einen geschützten Raum für die Allerjüngsten. Wenn ein solch bedeutsamer Mensch nach Jahrzehnten in den Ruhestand tritt, bleiben nicht nur viele schöne Erinnerungen, sondern auch Spuren.
In der Kindertagesstätte Am Steinaubach fand vor einiger Zeit ein ganz besonderer Morgenkreis statt. An jenem Vormittag wurde Erzieherin Susanne Hämel nach 37 Jahren, in denen sie im heutigen Zweckverband Evangelische Kindertagesstätten im Kirchenkreis Kinzigtal tätig war, verabschiedet. Mit dabei waren Ehemann Horst, Sohn Tom und Enkel Philipp, außerdem Pfarrerin Nicole Beckmann, Geschäftsführerin der Evangelischen Kindertagesstätten, sowie Martin Mascher, langjähriger Trägervertreter, als auch die Mitarbeitervertretung, vertreten durch Steffi Schülein, gleichzeitig Leitungskollegin von Noahs Arche, und Monika Knorr, Leiterin der Kindertagesstätte Märchenwald. Fehlen durften nicht die Elternbeiräte, Kolleginnen und natürlich alle Kinder.
Dass dieser Morgenkreis einzigartig war, davon zeugten nicht nur viele Lieder, sondern auch Reden voller Wärme und Dankbarkeit. „Vertrautes, das über viele Jahre begleitet hat, loszulassen, ist nicht leicht“, so Andrea Heyenga, Leiterin der Evangelischen Kindertagesstätte Am Steinaubach, in ihrer Rede. In all den Jahren habe Susanne Hämel ihre gute Laune und ihren Humor behalten, so Andrea Heyenga.
Bereits im Jahr 1992 erfüllte Susanne Hämel die Aufgabe als Leiterin der Kindertagesstätte Brüder-Grimm-Straße und wechselte 1998 in die Kita Am Steinaubach.
Mutig habe sie damals die Arbeit in einer neuen Einrichtung mit aufgebaut und umgesetzt und dabei stets im Team mit den Kindern gearbeitet. Sie habe Kinder nachhaltig gestärkt und sie dazu ermutigt, neugierig zu sein und Dinge zu hinterfragen. Jeder erinnere sich gerne an die musikalische Begleitung mit der Gitarre.
Die vergangenen 37 Jahre zeugten von gelebter Geduld und Ausgeglichenheit, so Heyenga. Besonders hob sie den Teamgeist und die kindgerechte Kommunikation hervor, ebenso wie 20 Jahre Ehrenamt in der Mitarbeitervertretung.
„Eine Hand hält die Andere“ – das sei ihre Philosophie. Dabei habe sie jedes Kind in seiner Persönlichkeitsentwicklung tatkräftig unterstützt.
Nun würde Unbekanntes, Überraschendes und Schönes warten – diese Zeit solle sie ganz bewusst erleben. Ihre Neugierde auf die Überraschungen des Lebens solle sie beibehalten, denn „wer neugierig bleibt, bleibt lebendig“.
Symbolische Präsente, unter anderem ein großer, bunter Sonnenschirm, durften dabei nicht fehlen. Ihre Worte schloss Andrea Heyenga mit einem Segen ab und überreichte an Pfarrerin Beckmann, Mona Beikirch und Steffi Schülein.
Im Herzen bleibe Susanne Hämel immer eine Tigerente, war sich Mona Beikirch für den Elternbeirat sicher. Sie dankte für das Gefühl, ernst genommen zu werden und an einem Strang zu ziehen. Eltern hätten in all den Jahren ihre Kinder in guten Händen gewusst. Die Arbeit einer Erzieherin bestünde aus so viel mehr als Basteln, vielmehr würden hier erste Schritte auf einem wichtigen Lebensweg begleitet. Um den neuen Lebensabschnitt so richtig genießen und auch einmal in den Tag hineinleben zu können, überreichte Beikirch im Namen aller Eltern Susanne Hämel eine Hängematte mit einem ganz persönlichen Kindergartenkissen.
Gedanklich in einen VW Bulli und künftig auf die schönsten Reisen, schickte die Mitarbeitervertretung Susanne Hämel. Sie solle eine bunte Reise mit vielen schönen Zielen, spontanen Abstechern und unvergesslichen Erlebnissen vor sich haben.
Pfarrerin Nicole Beckmann verglich in ihrer Dankesrede an die langjährige Mitarbeiterin die Tätigkeit einer Erzieherin mit der einer Honigbiene: Bienen sammeln Pollen und sorgten dafür, dass Pflanzen auch Früchte tragen. Ähnlich arbeiteten auch Erzieherinnen und Erzieher: Sie würden Kindern und Eltern viele Impulse zur Entwicklung geben. Als Symbol für diese wichtige Aufgabe überreichte die Pfarrerin ein Bienenhotel und dankte für 37 Jahre Mitarbeit in den Steinauer Kindertagesstätten.
Da das sogenannte „Zahlenland“ und damit die Vorbereitung der „Bleistiftkinder“ auf die Schule Susanne Hämels Steckenpferd gewesen sei, gab es im Anschluss noch ein Spiel mit dem Titel „Die 5 feiert Geburtstag“. Bei süßen und herzhaften Leckereien fand die große Feier zusammen mit den Kolleginnen, Kindern und allen Gästen statt.