Der Marstall: Vom fürstlichen Pferdestall zur Bühne für Marionetten

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Geschichte verbindet, Geschichte fasziniert. Zu sehen, welche Leidenschaft die Menschen antrieb, die vielleicht längst nicht mehr unter uns sind, und Dinge bestaunen, die noch heute von jenem Herzblut zeugen, das ist fesselnd und besonders.
Es ist schön, wenn es Menschen gibt, die sich die Zeit nehmen, um Zeugen der Vergangenheit und des Einzigartigen zu erhalten oder wiederzuentdecken. Menschen, die sich auf Spuren begeben und dabei immer wieder selbst überrascht werden – und vor allem Menschen, die dafür brennen, aus längst vergangenen Zeiten zu erzählen.
Ferner braucht es Menschen, die sich verlieben, in Details und einzigartige Stücke, in Unikate, Fotos und Berichte, die uns die Gegenwart vielleicht sogar ein bisschen besser verstehen lassen. Genau solche Menschen finden sich im Steinauer Geschichtsverein. 1987 gegründet, hat es sich der Verein zur Aufgabe gemacht, Kunst und Kultur der Region zu erforschen, zu bewahren und erlebbar zu machen. Hierzu betreibt der Geschichtsverein eine heimatkundliche Sammlung im Dachgeschoss des Museums Steinau mit jährlich wechselnden Sonderausstellungen. Kürzlich eröffnete der Geschichtsverein Steinau im feierlichen Rahmen die Sonderausstellung zur Geschichte des Steinauer Marstalls. Das Gebäude wandelte sich über die Jahrhunderte vom fürstlichen Pferdestall zu einer bekannten Kulturstätte und nicht zuletzt dem bekannten Marionettentheater. „Mar“ sei das alte Wort für „Pferd“, so Gerd Euler, Vorstandsmitglied des Geschichtsvereins, der in seiner Eröffnungsansprache auch Bürgermeister Christian Zimmermann nebst Familie und Ehrenbürger Manfred Kopka begrüßte. Später, als der Marstall längst nicht mehr als fürstlicher Pferdestall diente, machten Reisende auf der alten Handelsstraße Frankfurt-Leipzig im Marstall Halt und noch später diente er als dringend notwendiger Wohnraum. Von 1955 bis 2027 zog das überregional bekannte Steinauer Marionettentheater „Die Holzköppe“ in das historische Gebäude mit den dicken Steinmauern ein. Gegründet wurde das beliebte Marionettentheater von der Familie Zangerle, erläuterte Schriftführerin Manuela Schneider-Ludwig, Mitglied des geschäftsführenden Vorstands, in ihrer Ansprache. In diesem Zusammenhang begrüßte sie die Familie Windorfer aus Mettmann, die als direkte Nachkommen der Familie Zangerle die weite Anreise zur Eröffnung der Sonderausstellung angetreten hatte. Lange Zeit führte die Familie Magersuppe in Steinau die Tradition der Puppenspielkunst in Steinau fort, bis der Marstall im Jahr 2017 zum heutigen Theatrium, geführt von Detlef Heinichen, wurde.
„Es ist ein Glück, dass es diese Menschen und diesen Verein gibt“, so Bürgermeister Christian Zimmermann im Hinblick auf den Geschichtsverein. Rund ein Dreivierteljahr forschte und arbeitete der Geschichtsverein am Entstehen der Ausstellung. Mit viel Liebe zum Detail werden nun im Obergeschoss – dem früheren Heuboden – kostbare Fundstücke und Raritäten ausgestellt, die von der Bedeutsamkeit des Marstalls für Steinau zeugen. Ungefähr ein Jahr lang können sich künftig interessierte Besucher jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 14 Uhr bis 17 Uhr auf die Spuren des Steinauer Marstalls und die damit verbunden Geschichte der Familien Zangerle und Magersuppe begeben. Der Eintritt zur Ausstellung mit dem Titel „Der Marstall in Steinau: Geschichte und Wandel“ ist kostenfrei – kleine Geld- oder Sachspenden sind dem Verein immer willkommen.