Heimat und Geschichtsverein stellt Weichen für die Zukunft
Der Heimat- und Geschichtsverein Bergwinkel hat bei seiner Jahreshauptversammlung einmal mehr unter Beweis gestellt, wie lebendig und facettenreich Heimatgeschichte im Bergwinkel vermittelt wird. 18 Mitglieder blickten gemeinsam auf ein Jahr zurück, das von Exkursionen, Vorträgen, Gedenkarbeit und kulturellem Austausch geprägt war.
Ein besonderer Höhepunkt war die Tagesfahrt nach Gemünden am Main im Mai 2025, mit der Schlüchtern die Eisenbahngeschichte verbindet. Gerade solche Perspektivwechsel über die eigene Stadt hinaus machten deutlich, wie eng regionale Geschichte miteinander verflochten sei.
Auch inhaltlich setzte der Verein starke Akzente. Im September 2025 beleuchtete Hartmut Zimmermann vom Förderverein Landsynagoge Heubach in einem eindrucksvollen Vortrag die Arbeit der Arolsen Archives – des weltweit größten Archivs zu Opfern und Überlebenden nationalsozialistischer Verfolgung. Im Oktober folgten gleich mehrere eindrucksvolle Veranstaltungen: die Führung „Das Kloster im Bauernkrieg vor 500 Jahren“ mit Uwe Kretschmann sowie die Stolpersteinverlegungen in der Wassergasse, Schmiedsgasse und Schlossstraße. Dabei gedachte der Verein der Familien Wagner und Oppenheimer sowie Dina und Rena Seelig. Besonders hervorzuheben: Erstmals wurde auch die Opfergruppe der Sintizze und Romnja bewusst in den Fokus gerückt – ein wichtiges Signal für eine umfassende und differenzierte Erinnerungskultur.
Ein weiterer Höhepunkt war der Filmabend im Januar 2026 mit dem Dokumentarfilm „TKUMAnnheim – Jüdisches Leben² von 1945 bis heute“, der eindrucksvoll die Kontinuitäten und Brüche jüdischen Lebens nach 1945 nachzeichnete.
Im Rahmen der turnusmäßigen Wahlen wurde Kerstin Baier-Hildebrand als Vorsitzende gewählt. Unterstützt wird sie weiterhin von Bernd Giesemann als stellvertretendem Vorsitzenden, Inga Heß als Schriftführerin, Andreas Schneider als stellvertretendem Schriftführer, Ulrich Krampitz-Mangold als Schatzmeister sowie Darius Lotz als Beisitzer.
Unbesetzt blieben jedoch das Amt des zweiten stellvertretenden Vorsitzenden sowie zwei Beisitzerposten. Die Vorsitzende machte deutlich, dass der Verein vom Mitmachen lebe – und dass jede Form der Unterstützung willkommen sei. Der Vorstand will in den kommenden Monaten gezielt Werbung für eine Mitarbeit im Vorstand machen.
Mit herzlichen Worten verabschiedete die Vorsitzende die ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder Rainer Egner, Clas Röhl und Niels Ahlgrimm, die die Arbeit des Vereins teilweise über viele Jahre hinweg maßgeblich geprägt haben.
Ebenso würdigte sie die vielen Helferinnen und Helfer im Hintergrund: die Stolperstein-AG mit Karin Stöcker und Marieke Richber, engagierte Referenten wie Bernd Ullrich, Ernst Müller-Marschhausen und Michael Kempel, die Austräger der Rundschreiben sowie die Autorinnen und Autoren der Vereinszeitschrift „Unsere Heimat“.
Gerade dieses Zusammenspiel aus sichtbarem Engagement und verlässlicher Unterstützung im Hintergrund mache den Verein zu einer tragenden Säule des kulturellen Lebens im Bergwinkel.
Auch künftig bleiben die Stolpersteine ein zentraler Bestandteil der Vereinsarbeit. Aufgrund längerer Vorlaufzeiten bei der Stiftung müssten geplante Verlegungen allerdings auf das kommende Frühjahr verschoben werden.
Gute Nachrichten gab es hingegen für ein neues Heft der Vereinszeitschrift „Unsere Heimat“ mit dem Titel „Wandel der Erinnerungskultur“: Es befinde sich in der finalen Phase und solle im Sommer erscheinen.
Der Verein lädt für den 6. Mai zu einem Film- und Vortragsabend unter dem Titel „Zwischen Tresen und Stammtisch – Schlüchterner Gaststätten im Wandel der Zeit“ mit Bernd Ullrich und Michael Kempel ein.
Die Jahreshauptversammlung zeigt eindrucksvoll: Der Heimat- und Geschichtsverein Bergwinkel ist weit mehr als ein Bewahrer der Vergangenheit. Er ist Impulsgeber, Mahner und lebendiger Treffpunkt für alle, die Geschichte nicht nur erinnern, sondern aktiv gestalten wollen.


