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Zum ersten Mal wurde in Schlüchtern ein Aktionstag für Palästina veranstaltet. Unter dem Leitgedanken „Ein Herz für Gaza“ trafen sich knapp 200 Menschen verschiedenster Nationen im Kultur- und Begegnungszentrum Schlüchtern (KuBe).
Veranstalterin war die bekannte Schlüchterner Ärztin Dr. Fajer Klüh und der Friedensverein Palmyra e.V., dem sie als Vorsitzende vorsteht. Gleich am Anfang stellte sie klar, dass es sich um keine antisemitische Veranstaltung handele. Es sei ein Tag der kulturellen Begegnung für alle Menschen. Es gehe um Gaza und Palästina und darum, die Menschen dort und ihre Kultur besser kennenzulernen. Mit einem bunten Rahmenprogramm wurde den Gästen Leben und Kultur in Nahost nahegebracht. Die Gäste – Menschen vieler Religionen, darunter auch Palästinenser, die bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Israel teilweise viele Freunde und Verwandte verloren haben – verbrachten den Nachmittag mit Musik, Kunst, Kultur und Literatur in einer friedlichen und freundschaftlichen Atmosphäre. Klüh nannte es „Botschaft aus Gaza an die Welt“.
Die Schlüchterner Ärztin berichtete von ihren eigenen palästinensischen Wurzeln. Ihre Eltern wurden von dort im Jahre 1948 vertrieben. Sie wurde später in Kuwait geboren. „Palästina lebte immer in meinem Herzen und in meinen Gedanken durch die vielen Geschichten, die mir meine Eltern erzählt haben“, betonte sie. Sie selbst habe dieses „heilige Land“ nie sehen und nie dort leben dürfen.
Aufgrund dieser persönlichen Lebensgeschichte sei sie mit Offenheit, Frieden und Liebe zu allen Menschen ihren Weg durch die Welt gegangen und habe Station in einigen Ländern gemacht. Den größten Teil ihres Lebens habe sie in Deutschland verbracht. Ihre Inspiration für diesen Gaza-Tag habe sie durch ihre verstorbenen, geliebten Eltern erhalten, um deren Botschaft weiterzutragen.
Ein Teil davon hatte sie in das KuBe mitgebracht, beispielsweise zahlreiche Gemälde von ihrem Vater. Als Künstler hielt er damit die Geschichte Palästinas fest. Auch wenn im Jahr 2023 das Gebäude, in dem sich ihr Elternhaus befand, durch eine israelische Rakete zerstört wurde, gelang es ihr, die Gemälde mithilfe technischer Mittel zu retten. Von ihrer Mutter präsentierte sie aufwändige Stickereien – eingebettet in eine große Ausstellung mit Kunstarbeiten aus Palästina. Sie betonte, das palästinensische Volk warte auf Gleichberechtigung auf dieser Welt und kämpfe für seine eigene Existenz.
Dem Publikum wurde ein reichhaltiges kulturelles Programm mit Tanz, Gesang und Musik geboten. Der Spanier Bernabe Gallego aus Salmünster von der gleichnamigen Musikschule begleitete sich selbst auf der Gitarre, der bekannte palästinensische Syrer Aeham Ahmad brachte am Klavier besinnliche Weisen zu Gehör – als Duo mit Abdullah Kirli an der Darbuka-Trommel. Einen tieferen Einblick in die palästinensische Kultur lieferte die Gruppe „Ram Troupe Ramez Mahmoud“ mit landestypischem Tanz und Musik. Zusammen mit Ursula Wiegand-Stupp und Ursula Diebel bildete Fajer Klüh ein Gesangstrio.
Im Hintergrund liefen stets Bilder und Filme über die jüngsten Zerstörungen in Palästina. Jetzt, da die Waffenruhe es vielen ermögliche, zurückzukehren, stünden sie vor dem Nichts, betonte Klüh. Das sei ihr Beweggrund gewesen, gezielt mit Menschen dort Kontakt aufzunehmen und konkret Hilfe zu leisten, berichtete die Ärztin. Außerdem erklärte sie den Aufbau der palästinensischen Flagge und ihre Bedeutung für das Selbstbewusstsein dieses Volkes.
Das Programm wurde mit einem gemeinsamen Gebet für Frieden in Palästina und der gesamten Welt abgerundet. Außerdem verlas sie eine Botschaft von Kindern aus Gaza, die teilweise schon gestorben sind.
Im Anschluss wurden die Gäste mit einem großen Buffet mit traditionellen palästinensischen und arabischen Speisen verwöhnt. Später wurde auch noch ein Workshop für Volkstanz angeboten, der sich großer Nachfrage erfreute.